Gooooooood Morning Vietnaaaam!
Lang, lang ist’s her, dass sich hier drin was getan hat. Aber aktuelle Ereignisse zwingen mich dazu mir mal wieder etwas Ballast von der Seele zu schreiben. Wenn es zu Eurer Belustigung beiträgt… umso besser. Aber lasst uns gleich in medias res starten.
Kennt Ihr das…? Tage an denen man einfach den Wecker gegen eine beliebige Wand werfen sollte, dann seinen Kopf drei Mal an die gegenüberliegende schlagen, nur um sich dann wieder die Decke über den Kopf zu ziehen und zu hoffen, dass das Elend so schnell wie möglich an einem vorzieht? Nein? Dann lasst Euch was erzählen… Ich kenne solche Tage. Wer mich kennt wird sich wundern, da ich doch sonst das bin, was man als vom Glück gesegnet bezeichnet… äääh… vom Schicksal gebeutelt mein’ ich natürlich.
So trug es sich kürzlich zu, dass ich noch schlaftrunken mein Schlafzimmer verlassen wollte und bei einer Kollision mit der Tür eine 5 cm lange, blutende Schürf-/Schnittwunde sowie einen hässlichen Bluterguss davontrug. Ich musste feststellen, dass es wahr ist, was sie sagen: 110% aller Unfälle passieren im Haushalt. Verdammt! Aber warum mir?!? Egal… wir haben doch keine Zeit denn es bleibt noch so viel zu erzählen.
Vermutlich hat jeder hat Lieblingsstück in seinem Geschirr. Sei es das Guinness-Glas, dass man im örtlichen Pub entwendet hat, die Kaffeetasse auf der eine eher billig wirkende Frau sich entkleidet, wenn man eine heiße Flüssigkeit einfüllt, der Bierkrug mit eingravierten Initialien im Deckel, den man dafür bekommen hat, dass man ein Heidengeld investiert hat um kistenweise Bier zu kaufen, dass man eigtl. nicht einmal anrühren würde, wenn man als Substitutionsgetränk nur noch den eigenen Urin hätte. In meinem Falle ist das absolute Lieblingsstück gleich in sechsfacher Ausführung vorhanden: meine Garnitur an formschönen Weizengläsern mit schwarz-rot-goldenem Elch auf der Seite. Das geilste Biergeschirr wo gibt! Ich hab sie alle vier ins Herz geschlossen! … Was? … Vertippt? … Einmal sind’s vier, einmal sind’s sechs Gläser? … Nein, das hat schon seine Richtigkeit. Denn als ich heute Mittag in meiner Küche stand um den dort lebenden Pilzkulturen sämtlichen Nährboden zu entziehen - kurz gesagt, ich wollte abspülen - musste ich feststellen, dass IKEA-Gläser gar nicht so stabil sind wie sie eh nicht erscheinen. Verdammt! Es reichte mir aber nicht, nur ein Glas zu zerstören. Nein. Ich dachte: “Komm, heut machste mal Nägel mit Köpfen!” Und schmiss das eben noch gewissenhaft gereinigte Weizenglas zum Härtetest in mein Spülbecken… nur um sicherzugehen, dass es nicht widerstandsfähiger war als das vorher zerstörte. Verdammt! Aber warum lange über Gläser jammern… Gibt doch noch so viele Alternativen.
Beispielsweise die eigene Unzulänglichkeit. Was gibt es derzeit schöneres als gemeinsam mit anderen der schönsten Nebensache der Welt zu fröhnen. Fußball schauen in “Public Viewing Areas” ist doch absolut supi. Sich mit anderen nationalgewandeten Proleten zu solidarisieren, die rechtzeitig zur WM drauf aufmerksam geworden sind, dass unsere Farben schwarz, rot und gold sind und rechtzeitig nach Titelgewinn selbiges auch wieder vergessen werden. Zeuge sein, wenn die deutsche Nationalelf den argentinischen Rinderbumsern die strähnigen Haare wäscht. Dabei sein, wenn unsere polnischen Superstürmer zaubern wie die brasilianische ein-Mann-Büffelherde Ronaldo zu Spitzenzeiten. Oooooh wie wär das schön. Leider Gottes war ich zu bescheuert den Spielplan zu lesen, den ich quasi ständig mit mir herumschleppe, so dass ich davon ausging, dass wir erst um 21.00 Uhr spielen. Dementsprechend werde ich rechtzeitg zum Anpfiff den öffentlichen Nahverkehr nutzen um mir wenig später im Lager eines örtlichen Pharma-Großhandels die Zeit zu vertreiben. Verdammt! Aber was soll ich sagen… Ich habe es wohl nicht besser verdient.
Zu guter Letzt kam dann aber doch noch das Ereignis, das mir die Tränen in die Augen schießen ließ. Ich, der ich als Student ja nicht unbedingt soviel Kohle übrig habe um mir eine anständige Datensicherung auf Festplatte zu leisten, und der Meinung bin, dass Backups auf DVD völlig überschätzt werden, sollte meine Weltanschauung vielleicht mal grundlegend überdenken. Da habe ich Gäste zum Essen in der Bude und zaubere, was das Lidlsche Tiefkühlregal hergab, ein Schmankerl nach dem anderen. Leider musste ich feststellen, dass ein quälendes Hungergefühl manche Menschen zu hektischen Grobmotorikern macht, dass es nicht mehr feierlich ist. Denn einer meiner Gäste - nennen wir ihn Dumminik (Name aus Diskretionsgründen geändert - Anm.d.Autors) - warf beim Versuch den Laptop zum Zweck der Nahrungsaufnahme vom Tisch zu entfernen meine USB-Festplatte auf den gar nicht mal so gut gepolsterten Fußboden. Fachlich versierten Lesern fällt an dieser Stelle auf, dass es sich in der Vergangenheit als wenig sinnvoll erwiesen hat Dinge zu tun, bei denen technisches Gerät mit harten Gegenständen kollidiert. Nach dem Gesetz der Serie fügte sich also auch meine Festplatte ihrem Schicksal, gab fortan seltsam tickende Geräusche von sich und verweigerte jeden weiteren Dienst. Vielleicht war es ein schlechtes Omen, dass Problembär Bruno diese Tage gemeuchelt wurde, denn die getötete Festplatte hörte ebenfalls auf den Namen Bruno. (Falls Ihr Euch fragt… Ja! Ich bin komisch.) Das muss doch irgendeinen kausalen Zusammenhang haben, was es allerdings kein Stück besser macht. Bilanz des Zwischenfalls: Verlust von ca. 4000 handverlesenen Liedern im MP3-Format (inkl. schwer zu beschaffender Titel sowie selbst angefertigter Remixe), einiger Filme, dreier Scrubs-Staffeln, der Harald-Schmidt-Folge, in der Nora Tschirner zu Gast war, diverser Musikvideos und einiger Software - natürlich alles Sicherungskopien meiner Originale, wozu es nicht nötig war einen Kopierschutz zu umgehen. Das alles ist sehr ärgerlich aber trifft es mich nicht gar so hart wie manch einer meinen könnte. Eines aber zerreißt mir das Herz… Auf eben dieser verstorbenen Festplatte befanden sich Gigabytes von Samples sowie daraus erstelltes Liedmaterial. Feinste HipHop-Beats, Meisterwerke im Stile Ludwig van Beethovens, Pop-Knaller, die quasi schon an Tokyo Hotel verkauft waren, einzigartige Geburtstagsständchen… aber auf jeden Fall massenweise Herzblut und investierte Zeit. Meine Babies quasi. Mein Ein und Alles. Verdammt! Es bricht mir das Herz. Und was mir jede Hoffnung auf Wiedererlangung meiner Schätze nimmt sind die Preislisten der Datenrettungsdienste, die zw. 800 und 4000 Euronen für die Wiederherstellung meiner Daten veranschlagen. In dieser traurigen Gewissheit werde ich wohl Bruno und all seinen Inhalt in meinem Hinterhof verscharren und lernen mit diesem Verlust zu leben. Verdammt!
Um mich selbst noch ein wenig zu geißeln werde ich nun noch den Flitschbirnen auf 9Live zukucken, dann meinen Wecker an der beliebigen Wand wieder aufsammeln, meinen Kopf noch drei Mal gegen die gegenüberliegende schlagen, dann die Decke über den Kopf ziehen und friedlich einschlafen während ich in mein Kopfkissen weine und leise singe “Why does it always rain on me?”.
In diesem Sinne… Ihr hört von mir, wenn ein Spendenkonto zur Datenrettung eingerichtet wurde. Bis dahin… Legt Backups Eurer wichtigen Daten an! Am besten nicht auf DVDs! Es ist eine Investition, die sich lohnt.
– Euer Joachim