Wehrte Gemeinde…
Ich heiße Euch willkommen zu einer neuen Runde “Das Leben hat mich nicht gefragt”. Es wurde ja auch mal wieder höchste Zeit. Und aufgrund eklatanten Mangels an einschneidenden Ereignissen werde ich einfach mal einen Rundumschlag tätigen um alle kleinen Dinge, die mein Leben so versüßen, abzudecken. Darum lasset uns auch gar nicht lange um den heißen Brei herum reden.
Wo soll ich anfangen… ich weiß. Am vergangenen Dienstag bestieg ich mal wieder einen Zug… also zumindest stieg ich ein um damit zu fahren. Ich musste nämlich mal wieder aus der alten Heimat Bremen nach Ulm gondeln. Und wer mich kennt weiß, wie ich das Zug fahren liebe. Die Mitfahrer sind meiner Ansicht nach das Salz in der Suppe, die sich Bahnfahrt nennt. Und lasst Euch sagen: Davon gab es einige! So zum Beispiel den dicken Chinesen, der mir von Fahrtbeginn an Gesellschaft leistete. Ich behaupte einfach mal, dass er Chinese war. Er könnte auch Japaner, Polynese oder irgendein anderes südostasiatisches Gewächs gewesen sein, was mir an dieser Stelle einfach mal völlig egal ist. Beschwerden über mangelnde political correctness bitte als Kommentare posten. Egal… weiter im Text. Da saß er also, der Chinese. Er wirkte schon vor Fahrtbeginn ein wenig müde. Was bei den Kollegen wegen der kleinen Augen aber ja schwierig zu beurteilen ist. Kaum waren wir abgefahren, wurde jedenfalls mein Gegenüber vom sanften Schaukeln des Waggons in den Schlaf gewiegt (…gewogen?). Da man in diesem Zustand bekanntlich die Herrschaft über diverse Körperfunktionen verliert, öffnete sich sein Mund und ein leises Schnorcheln war zu verehmen. Ich dachte mir: “Nuja… das geht ja noch.” Kaum fertig gedacht fing er aber an zu schnarchen, dass die männliche Saftschubse mir schier ein Tablett mit randvollen Kaffeebechern in den Schoß schmiss. Wahrscheinlich fiel dem guten Jungen gerade noch rechtzeitig ein, dass bei den horrenden Preisen, die die Bahn für ihren Kaffee haben will, er einen Monat umsonst arbeiten müsste um den Schaden zu ersetzen… von meiner Schmerzensgeldklage, wenn er mir die Klöten verbrüht hätte ganz zu schweigen. Wenig später bat ich den Zugbegleiter dann ein Sauerstoffzelt aufzustellen, denn in unregelmäßigen Abständen gab der Chinamann doch Laute von sich, die an ein seltenes Tier erinnerten, dass qualvoll verendet. So ging das dann ca. eine Stunde, denn glücklicherweise stieg der gute Mann in Hannover schon wieder aus.
Mit einiger Verspätung in Augsburg angekommen warf ich einen Blick auf die Uhr. Bis zur Abfahrt meines Anschlusszuges war es noch eine Viertelstunde. Ich also erstmal den Subway am Bahnhof geentert um Geld in einem Sandwich und einem dieser anbetungswürdigen Keksen anzulegen… äußerst gewinnbringend wie sich herausstellte. Ich verließ also frisch gestärkt den Subway und strebte durch die Bahnhofshalle zu meinem Gleis. Aus dem Nichts trat plötzlich eine junge Frau an mich heran. Sie war von atemberaubender Schönheit und Ihr Lächeln ließ in meinem Herzen die Sonne aufgehen. Da sprach Sie mich an: “Hast Du eine Minute Zeit für den Tierschutz?” Ich dachte nur: “Ich wünschte ich hätte, denn dann würd ich gerne deinen Bären kraulen.” Aber leider musste ich Ihr Anliegen verneinen, denn mein Zug stand schon am Gleis und war bereit abzufahren.
Ich stieg also ein und schaute noch einige Kilometer sehnsüchtig aus dem Fenster während der Zug mich gen Ulm beförderte. Nun ja… bald hatte ich auch einen Sitzplatz gefunden und es mir wieder gemütlich gemacht. Nach dem frühen Aufstehen und den Strapazen des “700-km-nur-Pampa-sehen-wenn-ich-aus-dem-Fenster-kuck” wollte ich eigentlich nur eine Runde schlafen… doch die Bahn gönnt einem sowas ja überhaupt nicht. Kaum war ich am Wegdösen, da ertönte auch schon ein freundliches aber bestimmtes “Guten Tag! Die Fahrscheine bitte…” durch den Waggon. Ich also mein Wahnsinns-selbstausgedrucktes- Online-Ticket ausgepackt und parat gehalten. Dann kam Sie zu mir… die Zugbegleiterin… schätzungsweise 20 Jahre alt und noch nicht ganz trocken hinter den Ohren , extrem unscheinbar, kurze Haare, die dafür sorgten, dass man Sie leicht mit einem männlichen Geschöpf verwechseln konnte (…okay, das Fehlen jeglicher Brust hat wohl auch seinen Beitrag geleistet…). Sie kuckte mein Ticket an und Ihre Miene stellte eine Ratlosigkeit zur Schau, wie ich sie selten sah. “Das ist ein Ticket für eine einfache Fahrt.” Darauf ich: “Richtig.” “Von Bremen nach Ulm.” Ich: “Genau.”… Sie verstand die Welt nicht mehr und war am über legen wie Sie mir jetzt erklärt, dass sie meinen Knackarsch vor die Zugtür setzt. Da übernahm ich die Initiative und sagte ihr, dass ich von Bremen über Augsburg nach Ulm fahre (…nicht, dass das nicht aus dem Ticket hervorgegangen wäre…). Sie - die Situation langsam durchschauend - meinte, dass ich mit meinem Sparfux-Ticket aber an die Züge gebunden bin, die da drauf stehen. Langsam Diskussionslaune entwickelnd, holte ich etwas weiter aus, brachte Ihr bei, die Uhr zu lesen, erzählte von einem technischen Defekt, der daraus resultierenden Verspätung und den nicht erreichten Anschlusszügen. Gerade wollte ich Ihr das mit den Blümchen und Bienchen näherbringen, da begriff sie langsam, dass ich die besseren Argumente hatte. Aber da holte sie ihre Geheimwaffe raus: “Dann hätten Sie aber einen Nahverkehrszug nehmen müssen.” Doch auch hierfür hatte ich nur ein mitleidiges Lächeln übrig und meinte: “Das ist mir eigentlich völlig egal. Ein Mann in blauer Schürze, mit lustigem rotem Hut und Trillerpfeife sagte, ich soll diesen Zug nehmen. Und nur weil Ihr komischer Verein nicht in der Lage ist Fahrpläne auch nur annähernd einzuhalten, steh ich nicht noch eine Stunde am Augsburger Bahnhof und spiel an mir selber rum oder such die Socke, die der Korbi nach ner Sauftour hier am Bahnhof mal hat liegen lassen.” (…Dramatisierungen sind ein legitimes Stilmittel - Anm. d. Autors) Völlig verstört murmelte die kleine noch ein “Passt schon.” und sah zu, dass sie Land gewann. Bis dahin waren wir dann auch fast in Ulm.
Der Rest der Reise verlief dann komplett ereignislos. Ich kam zuhause an und wunderte mich, wie sehr so eine Kellerwohnung doch abkühlen kann, wenn man 10 Tage die Heizung ausschaltet. Donnerwetter! Den restlichen Tag verbrachte ich also bekleidet mit T-Shirt, Longsleeve, Pulli, Sweatjacke, nem Wollpulli und gefühlten 42 Paar Socken in meiner Bude a.k.a. “The Fridge”. Den großen Teil dieses Ensembles musste ich dann auch über Nacht tragen, um sicherzustellen, dass ich am nächsten morgen auch wieder aufwache. Und um sicherzustellen, dass ich morgen nicht allzu spät aufwache, werd ich jetzt in die Heia gehen… sparsamer bekeidet natürlich.
Vorher pfeif ich mir aber noch lustige Antibiotika rein, die der Doc mir heut morgen gegen meine akute Bronchitis, die klingt wie 20 Jahre Kettenrauchen, verschrieben hat.
In diesem Sinne. Appell an Euch: Meidet die Deutsche Bahn! Wenn sie Euch über den Weg läuft, dann versteckt Euch. Wenn Sie vom Himmel fällt, springt unter ein Vordach. Wenn Sie Euch anspricht, dreht Euch um und geht. Lasst nicht zu, dass sie Euch ins Unglück stürzt! Appell an unsere Politiker: Scheiß auf den Klimawandel! Billigflugstrecken ausbauen und Kerosin noch günstiger machen… Nur so können wir diesen Satan, der sich mit den Buchtaben DB schmückt wirklich von der Landkarte tilgen… soviel dazu. Ich wünsche Euch alles Gute und noch eine schöne Restwoche…
– Euer Joachim