Sehr geehrte Liebhaber des gewandten Worts…
Wie ich diese Zeilen schreibe sitze ich im Zug auf dem Rückweg von Bremen nach Ulm… nun ja, streng genommen auf dem Heimweg nach Stuttgart zumindest, wenn es nach der Deutschen Bahn, meinem All-Time-Favorite unter den Unternehmen mit Monopolstellung geht. Manche Leute meinen Microsoft sei böse, manche meinen, die Stylenazis von Apple seien böse… nein, mein Hass konzentriert sich auf den Teufel, der sich DB abkürzt… aber damit habe ich euch bereits an anderer Stelle gelangweilt. Nur soviel: Ich stieg um 17:25 in den Zug ein, der um 16:44 fahren sollte… vor ca. einer Stunde kam die Durchsage, dass die Passagiere, die weiter als bis Stuttgart müssen Ihr Ziel heute nicht mehr erreichen. Glauben die! Eines meiner Ziele werde ich heute definitiv noch erreichen. Ziel Nummer eins: Ich werde - wie auch immer - von der Deutschen Bahn nach Hause kutschiert. Ziel Nummer zwei: Sollten die sich sträuben dieses zu bewerkstelligen, wede ich heute meine erste Nacht in einer Zelle verbringen und morgen in der Stuttgarter Zeitung stehen, als derjenige, der den schönen neuen Bahnhof völlig auseinandergenommen hat.
Soviel dazu… aber eigtl. wollte ich euch ein bisschen was schreiben um mich auf andere Gedanken zu bringen. Nun denn…
Aus gegebenem Anlass schwelge ich in Festival-Nostagie. Dieser Anlass ist mein relativ spontaner Besuch des Southside-Festivals im malerischen Neuhausen ob Eck. Ehrlich gesagt habe ich noch keine Ahnung wie malerisch das wirklich ist, da ich bisher jede Konfrontation mit dem Southside gemieden habe. Aber diese Woche ereilte mich der Anruf eines guten Freundes, der nicht nur gerne damit glänzt anderer Leuts Festplatten zu demolieren sondern auch eine Karte für besagtes Southside übrig hat. Dementsprechend werde ich heute Nacht - Slash - morgen früh nach hause kommen, die letzten Klamotten einpacken, die noch nicht bzw. ganz oben auf dem Stapel Dreckwäsche in meiner Wohnung auf mich warten, um dann morgen Abend wiedermal in einem Zug zu sitzen um mich das komplette Wochenende unter Alkoholeinfluss auf einem matschigen Festivalgelände danebenzubenehmen.
Was mich auch gleich zu meiner Festival-Geschichte bringt. Schwache Überleitung, aber glaubt mir, dafür wird die Geschichte umso besser. Es begab sich also im Jahre des Heils 2003, dass mein alter Freund und offizieller “Evil Heinz Nummer Eins” Toby mit mir und einer meiner Kommilitoninen (Ja, ich bin schon dabei mich selbst zu geißeln nachdem ich das Wort benutzt habe.) auf das sagenumwobene Summer Breeze Festival gefahren ist. Es ging an einem Donnerstag im August los. Wir brachen zeitig auf um noch einen annehmbaren Platz auf dem Campinggelände zu erhaschen… Pustekuchen! Konnte ja keiner ahnen, dass der Otto-normal-Metaller bereits drei Tage früher anreist. So blieb uns also nur ein Platz auf dem Asi-Acker um unser Zelt aufzuschlagen. Aber spätetens nach dem dritten Gang gewöhnt man sich an die gefühlten zwanzig Minuten zum Festivalgelände, die bei einer gefühlten Temperatur von satanischen sechshundertsechsundsechzig Grad im Schatten gar nicht so angenehm waren, wie man sie sich eh nicht vorstellt. Die Vorzüge des angrenzenden Waldstücks würden wir später an diesem Wochenende noch zu schätzen lernen. Wir suchten uns also ein lauschiges Plätzchen, bauten unser Zelt auf und schlugen diverse Kapriolen bei dem Versuch unser Bier wenigstens eine Weile halbwegs kühl zu halten: Decken drüber, unters Auto, Grube ausheben… was soll ich euch sagen: wir sind gescheitert. Ein komplettes Fässchen nahmen wir am Schluss wieder mit nach Hause, da es ab einer gewissen Temperatur einfach nicht mehr schmecken wollte. So konsumierten wir also doch das teure Gesöff, dass uns an den diversen Bierständen gereicht wurde. Sei’s drum, es hat gewirkt. So verging also der Rest des ersten Tages relativ unspektakulär. Ein wenig akklimatisieren, den Intellekt auf den des durchnittlichen Möchtegern-Wikingers einpegeln… ja, das heißt auch in unserem Falle: nach unten justieren! Die ersten Bands anhören, das Merchandising checken, über die Hitze stänkern. Von meiner Kollegin bekamen wir übrigens im Verlauf des ganzen Zirkus’ nicht viel mit, da es selten lange dauerte bis wir sie verloren hatten in der Menschenmenge… mal versehentlich und wie ich zugeben muss hier und da auch mal absichtlich (Pfui, böser Joachim!). Einzig erwähnenswert an diesem Tage ist noch die Tatsache, dass ich feststellen musste, dass man sich als Informatiker ja dermaßen viel gefallen lassen muss, dass es der Sau graust. So lagen Toby und ich des nächtens vollig platonisch nebeneinander in unserem Zelt, da bekamen wir mit, wie sich unsere Nachbarn noch bei einer gepflegten Runde Fanta-Doppelkorn unterhielten. Mal rein optisch handelte es sich um Typen, die man auch gerne mal in nem medizinischen Institut zu Forschungszwecken unterbringen könnte, wegen der undefinierbaren Hautausschläge, die Ihr Gesicht zierten. Und ähnlich wüst war eben auch ihr Geschwätz. Mir, der ich ja als die Ausgeglichenheit in persona bekannt bin, war das ja völlig Schnuppe bis… ja, bis ein Mitglied dieser Geisterbahn-Connection den entscheidenden Spruch sagte: “Informatiker sind so uncool! Mit denen kannst du echt keine Party machen.” Okay… bis hier hin und nicht weiter! In Gedanken wuchsen mir schon grüne Muskelberge und meine lilane Hose platzte, da sie der Größe ihres Inhalts nicht mehr gewachsen war… ich spreche hierbei natürlich auch von Muskelbergen. Bei den Gedanken blieb es dann leider auch. Völlig unspektakulär stieß ich ein “Halt die Fresse du Arsch!” aus um wenig später sanft ins Heavy-Metal-Traumland zu entschwinden.
Tag zwei sollte das Highlight meiner Performance darstellen. Gegen 10:30 begingen wir das Frühstück mit der ein oder anderen Eierwaffel vom Aldi. So gestärkt fühlte ich mich genötigt das Bier zu überspringen, das nun fällig gewesen wäre, und ging gleich zu den harten Sachen über. Das Duell lautete ich gegen einen Liter des übelsten Mischungsverhältnisses Wodka-Bull, das ich jeh getrunken hatte. Anfänglichen ekel überwunden und ganz schön durstig brauchte ich auch nur eine gute Stunde diese Flasche zu leeren, was nicht ganz ohne Folgen bleiben sollte. Wir wollten eigentlich grad gen Festivalgelände aufbrechen, da beschlossen Toby und ich uns noch einmal an dem Bauzaun zu erleichtern, der unweit unseres Camps stand. Wie wir so am Zaun standen und die ganze Pracht unserer Gemächte in der Hand hielten kreuzten zwei junge damen unseren Weg. Nach einem kurzen geschulten Blick auf unsere gezückten Schwerter rief eine der beiden: “Fünf und acht Punkte”… Auch wenn Ihr nun felsenfest davon ausgeht… nein, ich war nicht die acht. So nett der Anblick der Jurorin auch war (… und das war schon ne feine Deern…), dass mein Bilderbuch-Pimo nur mit dem Mittelmaß abgestraft werden sollte hielt ich für dikussionswürdig. Wir also den letzten Tropfen in die Unterhose gelassen und hinter den Mädels her. Wir ließen uns also bei dieser Gruppe von Menschen in unserem Alter nieder. Ich nahm neben der Jurorin Platz, Toby neben einem Typen, der am nächsten zum Biervorrat saß. Ich ging also mal schön in die offensive und diskutierte das Thema der Penisbewertung sowie diverse andere aus. Und weil die Gute nicht nur blond war, Beine bis zum Boden hatte und mich bestimmt um einen Kopf überragte, sondern sich auch noch als sehr nett entpuppte, gab ich schließlich alles um sie von meinen Qualitäten ober- wie unterhalb der Hüfte zu überzeugen. Währenddessen unterhielt sich Toby mit dem Bierwächter, der eine kleine Frage an ihn richtete: “Du, sag mal… Kann das sein, dass dein Kumpel meine Freundin anbaggert?” Nach einem prüfenden Blick äußerte Toby ein zustimmendes “Joa!” woraufhin die beiden ganz relaxt zwei Dosen Bier öffneten und auf Tobys acht Punkte anstießen. Ich gab in der zwischenzeit weiter Vollgas. Aber irgendwann hatte meine Gesprächsparnerin einen kurzen, lichten Moment, in dem sie zu mir meinte: “Du, eigentlich hass ich so Typen, die nur zum Vögeln auf so ein Festival kommen…”. Doch ich erwiderte nur völlig gelassen: “Wie?!? Hier gibt’s auch Musik?!?”. Von da an lief es leider nicht mehr so rund und Toby und ich mussten das Gelände dann doch räumen. Also beschlossen wir nun doch endlich die tatsächlich vorhandenen Bands aufzusuchen.
Kaum auf dem Festivalgelände angelangt… hatte ich Toby auch schon verloren. In meinem besupfnen Schädel hätte mir aber nichts egaler sein können. Da gerade Amon Amarth spielten gesellte ich mich zum restlichen Publikum und hörte der Band zu. Dort lernte ich dann auch zwei nette junge Männer kennen, die mir etwas aus Ihrem einskommafünf-Liter-Tetrapak anboten. Ich schaute auf die Verpackung und dachte mir: “Mmh, loecker… Apfelsaft.” Das dieser in nicht unerheblichem Maße mit Wodka versetzt war bemerkte ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr und nahm einige große Schlucke. So dauerte es auch nicht lange, bis ich in einer der ersten Reihen stand und aus dem Kopfnicken ein ausgewachsenes Headbangen wurde. Außerdem legte ich mich mit dem Wasserwerfer an, der eigtl. zur erfrischung des Publikums gedacht war, als würde ihn ein SEK-Beamter bedienen und ich dem Schwarzen Block angehören. Dieses Hoch hielt dann eine Weile an und nicht all zu viel später entdeckte ich auch Toby wieder. Gemeinsam schlichen wir irgendwann wieder gen Zeltplatz… wo ich mir einen Liter Multivitaminsaft einverleibte, um ihn stante pede wieder von mir zu geben. Nunj war es Spätnachmittag und ich soweit ins Bett zu gehen. Wie ich das dann tat hörte ich dann leider auch die ersten Klänge von Children of Bodom… der Kapelle, wegen der ich eigentlich auf dieses Festival gekommen bin. Nennt mich Timing!
Wirkich spektakuläres passierte am darauffolgenden Tag nicht mehr. Als einziges Highlight sei noch der Kollege erwähnt, den wir im Wald trafen. Da diese transportablen Dixi-Klos völlig unter unserer Würde waren, zogen wir es vor in ein nahegelegenes Waldstück auszuweichen um unsere Notdurft zu verrichten. Wie wir so in das Wäldchen reinlaufen, nehmen wir eine Person zur Kenntnis, die an einem Stapel Baumstämme hockt. da wir für unsere Diskretion bekannt sind bemühten wir uns in die andere Richtung zu schauen. Doch plötzlich dreht der Herr auf dem Donnerbalken sich um um uns zu grüßen. Ich wusste, dass man sich als Busfahrer grüßt, wenn man sich unterwegs begegnet, aber dass man andere Waldscheißer begrüßt, wenn man mit der Hose in der Kniekehle ins Gehölz kackt, das war mir neu… aber so begab es sich, dass wir in der freien Natur nen Bob in die Bahn werfen konnten um so erleichtert den Rest des Festivals zu genießen.
Das war es dann auch schon wieder. Und so schließe ich mit der Überlegung ob man mit knapp dreißig Jahren noch auf Festivals gehen sollte, wo sich hauptsächlich achtzehn bis zwanzigjährige rumtreiben… und ob man sich dann wie genau diese aufführen sollte.
In diesem Sinne…
Euer Joachim
Schönen guten Tag liebe Freunde der unterhaltsamen Schmalkost,
Es ist der Beginn einer neuen Ära… Ich habe es nach hartem Kampf - mit mir, meinen Moralvorstellungen, meinem Chef und meinem Projektleiter - endlich geschafft: Der erste Tag Urlaub, den ich seit Beginn meines Full-Time-Arbeitslebens im Juni 2008 habe… zugegeben, der begann erst heute Nachmittag um fünfzehn-dreißig mitteleuropäischer Sommerzeit und ich pfeife mir in ungesunder Lautstärke die selbe Mucke rein, wie ich es jetzt im Büro täte, aber trotzdem für mich schon völliger Freizeit-Overkill. So richtig kann ich es wahrscheinlich erst glauben, wenn ich morgen früh bei meiner Mutti in Bremen aufwache und feststelle, dass es erstens später als vier Uhr ist und ich zweitens mich einfach umdrehen und weiterschlafen kann ohne Statements wie “…demnächst hagelts Abmahnungen!” um die Ohren geblasen zu kriegen. So wird dann auch dieses flaue Gefühl im Magen sich einen neuen Besitzer suchen müssen, dass mir mittlerweile jeden Morgen signalisiert hat: “Alter… den Job willst du nicht länger machen”.
Für alle, die sich jetzt wundern… nein, auch wenn es so klingt, ich arbeite nicht bei der Müllabfuhr. Die haben geregeltere Arbeitszeiten als ich. Aber wenn man als halbgarer Wirtschaftsinformatiker sein Diplom macht um dann als Software-Entwickler auf Sparflamme zu arbeiten (…wobei die Sparflamme sich auf die Fähigkeiten beziehen, nicht die Hingabe, mit der man zu Werke geht…), dann muss man eben auch mal hier und da die mangelnde Qualifikation durch die ein oder andere Überstunde wett machen. Und wenn man Joachim heißt, von Grund auf Perfektionist ist und völlig unfähig halb fertige Arbeit ruhigen Gewissens um siebzehn Uhr auch einfach mal liegen zu lassen, dann sind das auch ein paar Stunden länger. Erwähnt seien hier dieses Wochenende im Januar, an dem ich mich um fünf Uhr morgens schön auf das im Büroflur situierte Sofa gebettet habe, um am Samstag Morgen frisch und erholt weiterzuarbeiten, und der Mittwochdonnerstag vergangener Woche, der am Mittwoch um sieben Uhr morgens begann um am Donnerstag gegen siebzehn-dreißig zu enden… damit ich nach kurzer Pause und sieben Stunden Schlaf um drei Uhr nachts wieder aufstehen konnte um meiner Tätigkeit nachzugehen. Natürlich sind dies die Extrembeispiele, aber trotzdem haben einige Aspekte des sozialen Lebens in den letzten Monaten sehr gelitten.
Aber nicht mehr mit mir… die nächsten Tage werde ich erstmal im Schoße der Familie verbringen, wo ich hoffe wieder ein Stück weit resozialisiert zu werden, um dann in der Obhut meiner Freunde jegliche Sozialverträglichkeit wieder über Bord werfen zu können. Hach wie schön war die Zeit…
[Es vergeht eine gute viertel Stunde verträumten in die Luft Schauens, eine einsame Träne der Nostalgie wandert südwarts auf meiner linken Wange... außerdem trielt ein Schweißtropfen gerade in mein Maurerdekolleté, aber das war jetzt wahrscheinlich ein wenig zu viel Information.]
Und um die Stimmung wieder in etwas luftigere Gefilde zu treiben gibt’s auch gleich noch eine Anekdote aus besseren Tagen…
Da war zum Beispiel dieser eine Abend… An diesem beschlossen Tanzflächen-Toby und ich unseren Wirkungsradius mal wieder etwas zu erweitern. Also zogen wir aus, um in Reute bei Bad Waldsee einem Fest in der örtlichen Mehrzweckhalle beizuwohnen. Ganz feine Idee: Kein Mensch anwesend, den man kennt, was bedeutet, dass man sich gepflegt zum Hirsch machen kann, ohne das die nächsten zwei Jahre nachgetragen zu bekommen. Also war die Mission klar. Voller Tatendrang schütteten wir uns also die ersten paar Biers rein um auf Betriebstemperatur zu kommen. Routine also. Es dauerte auch gar nicht so lange bis wir mit der adretten Barfrau ins Gespräch kamen. Nachdem in der Gegend offensichtlich nicht gar soooo viele Mütter das Glück haben, schöne Töchter aus ihren Leibern zu pressen, für die sich der Stress dann auch gelohnt hätte, widmeten wir uns fortan eher unserer Performance auf der Tanzfläche zu den Klängen der überregional bekannten Cover-Rock-Band FACE . Unvermeidlich war dann ja auch der hochfrequente Gang zum Bierstand, wo die Bardame unseres Vertrauens mit nicht nachlassender Hingabe ihrer Arbeit nachkam, uns mit Alkohol zu versorgen. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem wir völlig hemmungslos zum Angriff auf ihre Gefühlswelt übergingen. Nach kurzem Hin und Her erlangten wir davon Kenntnis, dass die junge Frau bereits verheiratet war. Andere hätte das ins Bockshorn gejagt… wir fühlten uns dazu berufen, ihr einen Heiratsantrag zu machen.. im Doppelpack… wenn sie sich doch nur vom anderen Typen scheiden ließe. Der gewiefte Leser ahnt es bereits: Die beiden sind vermutlich noch heute verheiratet und Toby und meine Wenigkeit mussten unseren Kummer ertänken.
Ein paar Biers später fanden wir uns dann am Rande der Tanzfläche -Slash- des eingezeichneen Volleyballfeldes wieder. Pünktlich, um die ersten Takte von Dirty Dancing’s “I’ve had the time of my life” mitzukriegen (… mal ehrlich: es weiß doch kein Mensch, von wem der Song wirklich ist, oder?). Da machte der begnadete Frontmann der Kapelle, Tom Croël, die verheerende Ansage: “… und jetzt nimmt mal jeder seinen Schatz in den Arm.” Da fiel sein Blick auf Toby und mich, die wir offensichtlich grad die beiden einzigen waren, die noch keine Ische in unseren muskulösen Armen hatten. “Na Jungs, da hinten sind doch zwei ganz Hübsche.” Wir schauten die Mädels an, die in der Tat extrem fesch waren, sahen wieder zur Bühne hoch und unser Gesichtsausdruck verriet uns: “Ah, ihr habts schon probiert.” … ertappt. Welcher Satan uns in diesem Moment auch immer geritten hat… wir legten unsere Arme umeinander um die Situation zu retten und ernteten ein mitleidiges “Och Jungs, bitte…” von Croëls Tom. Alles klar…so demontiert würden wir da keinen Blumentopf mehr gewinnen. Wir also wieder den Bierstand erleichtert und siehe da: Innerhalb kürzester Zeit war unser Ego wieder so groß wie das World Trade Center bevor Mohammed Atta zur Arbeit geflogen war.
Mit steigendem Pegel und fortschreitender Stunde sinken ja bekantlich auch die Ansprüche, weshalb wir nun unsere Zielgruppe auf die sogenannten Last-Minute-Chicks verlagerten (… böse Zungen würden vom “Restef*cken” sprechen, wozu aber per definitionem der Vollzug des Coitus gehört… und dass es keinen Selbigen mehr gab kann ich wohl vorweg nehmen ohne jemandem die Spannung zu versauen). Wie dem auch sei, ich kam also mit einer der eher unterklassigen jungen Damen ins Gespräch. Lief auch ganz gut… sie fand mich nett, ich fand sie… ähm… okay, es war mir scheißegal, ich wollte sie bumsen. Von hier an war ich wie ausgewechselt. Ich war eine Aufreiß-Maschine ohne jede Gnade. Nach kurzer Zeit kam da so ein anderer Typ und versucht doch echt mir die Schau zu stehlen. Das habe ich mir natürlich nicht lange angeschaut. Also habe ich einen Blick auf den Typen geworfen und mir war klar, was ich zu tun hatte. Ich drückte ihm also einen Fünfer in die Hand und meinte: “Junge, verschwind an die Bar und trink einen auf mich.” Seine Augen leuchteten wie bei einem Halbwüchsigen am Weihnachtsabend, er warf noch einen Blick auf das Mädel, dann auf den Fünfer in seiner Hand… und weg war er. Eins zu null für mich.
Unsere Unterhaltung ging also ungestört weiter. Sie stellte noch die Frage, wo wir eigentlich herkämen, worauf ich ihr erklärte, dass wir aus Ulm sind. Sie war mir quasi komplett verfallen, denn so Kultivierte wie wir verirren sich offensichtlich nicht so oft in diese sehr ländlichen Gefilde. Dann fragte ich sie, ob sie hier aus Reute sei. Sie bejahte und deutete in irgendeine Richtung: “Ich wohn so fünfzig Meter in der Richtung. Wo schlaft ihr heute Nacht eigentlich?” Meine Antwort war subtil und an Feinfühligkeit kaum zu überbieten: “Wenn’s gut läuft so fünfzig Meter in der Richtung.” Und ich deutete in die selbe Richtung, in die sie kurz vorher zeigte. Sie kuckte kurz etwas irritiert, aber sie nahm nicht Reißaus… Ich klopfte mir innerlich auf die Schulter. Wie die Unterhaltung so weiterging verlagerte ich Stück für Stück unsere Position ein wenig mehr in Richtung der offenstehenden Tür. Das blieb ihr offensichtlich nicht verborgen, denn sie meinte: “Du, ich merk frei schon, dass wir immer näher am Ausgang sind.” Und nun kam mein Statement des Abends… praktisch das Wort zum Sonntag und der Hans Meiser unter den Anmach-Sprüchen: “Ich hab auch nen Viertürer… da kommen wir bequem auf die Rückbank!” Yeah… wie kann ein einzelner Typ nur so geil sein?!?
Nun ja, sie hat das wohl etwas anders gesehen, denn plötzlich fing sie an von Ihrem Freund zu erzählen. Freund?!? war bisher nicht die Rede von. Aber mein Gott Walter… nichts was mir egaler wäre. Lief dann aber erstmal nicht mehr so gut. Sie holte ihren Macker her, der auch mitplaudern wollte, was ich aber gar nicht so gut fand. Guter Wingman, wie der Toby war, verwickelte er ihn dann in ein Gespräch, dass ich mich weiterhin alleine der jungen Dame widmen konnte. Sie konnte meiner Argumentationskette allerdings nicht so ganz folgen. Auf die Frage, warum sie mit mir Dinge tun sollte, sie habe doch einen Freund, erwiderte ich: “Ja und? Der zählt Schrauben bei Hymer!” Wieder ein Tor für mich… leider ein Eigentor wie sich rausstellen sollte. Der besagte Freund kam irgendwann wieder um unsere traute Zweisamkeit jäh zu unterbrechen. Nun gut… der Abend war also gelaufen. Ich wollte mich ins Auto legen um ein paar Stunden zu schlafen. Was fehlte also noch? Rischdiiisch! Ein Gute-Nacht-Kuss. Ich beschloss also den von eben jener jungen Dame mit Freund zu bekommen. Der Zeitpunkt schien nicht der beste, denn ihr Freund hatte sie im Arm und sie ihren Kopf auf seiner Schulter geparkt. Aber ich bin ja als Draufgänger bekannt… oder völlig daneben… wie man’s nimmt. Wie ich ihr so gute Nacht sagte und aktiv versuchte den besagten Kuss einzufordern kuckte sie dann auch nur noch recht schockiert, holte aus und schoss mir eine Ohrfeige, die man wahrscheinlich in der ganzen Halle gehört hat. Wow… hat wohl nicht sooo gut funktioniert. Da der minderbemittelte Freund leider auch Freunde in dieser Halle hatte, und zwar mehr als ich (scheiß Auswärtsspiele!), sagte ich zu Toby, dass es jetzt besser für mich sei zu gehen. So verließ ich also die Halle und ein denkwürdiger Abend ging zu Ende. Mal wieder nicht sonderlich erfolgreich, aber im Nachhinein sehr lustig… meint ihr nicht?
Ein guter Rat zum Schluss… ach, da fällt mir grad nichts Passendes ein, denn ich würde wahrscheinlich alles wieder genau so machen… ja ALLES. Ansonsten bleibt mir gewogen und freut euch künftig wieder auf mehr guten Stoff aus meinem Leben.
In diesem Sinne…
Euer Joachim
Wehrte Gemeinde…
Ich heiße Euch willkommen zu einer neuen Runde “Das Leben hat mich nicht gefragt”. Es wurde ja auch mal wieder höchste Zeit. Und aufgrund eklatanten Mangels an einschneidenden Ereignissen werde ich einfach mal einen Rundumschlag tätigen um alle kleinen Dinge, die mein Leben so versüßen, abzudecken. Darum lasset uns auch gar nicht lange um den heißen Brei herum reden.
Wo soll ich anfangen… ich weiß. Am vergangenen Dienstag bestieg ich mal wieder einen Zug… also zumindest stieg ich ein um damit zu fahren. Ich musste nämlich mal wieder aus der alten Heimat Bremen nach Ulm gondeln. Und wer mich kennt weiß, wie ich das Zug fahren liebe. Die Mitfahrer sind meiner Ansicht nach das Salz in der Suppe, die sich Bahnfahrt nennt. Und lasst Euch sagen: Davon gab es einige! So zum Beispiel den dicken Chinesen, der mir von Fahrtbeginn an Gesellschaft leistete. Ich behaupte einfach mal, dass er Chinese war. Er könnte auch Japaner, Polynese oder irgendein anderes südostasiatisches Gewächs gewesen sein, was mir an dieser Stelle einfach mal völlig egal ist. Beschwerden über mangelnde political correctness bitte als Kommentare posten. Egal… weiter im Text. Da saß er also, der Chinese. Er wirkte schon vor Fahrtbeginn ein wenig müde. Was bei den Kollegen wegen der kleinen Augen aber ja schwierig zu beurteilen ist. Kaum waren wir abgefahren, wurde jedenfalls mein Gegenüber vom sanften Schaukeln des Waggons in den Schlaf gewiegt (…gewogen?). Da man in diesem Zustand bekanntlich die Herrschaft über diverse Körperfunktionen verliert, öffnete sich sein Mund und ein leises Schnorcheln war zu verehmen. Ich dachte mir: “Nuja… das geht ja noch.” Kaum fertig gedacht fing er aber an zu schnarchen, dass die männliche Saftschubse mir schier ein Tablett mit randvollen Kaffeebechern in den Schoß schmiss. Wahrscheinlich fiel dem guten Jungen gerade noch rechtzeitig ein, dass bei den horrenden Preisen, die die Bahn für ihren Kaffee haben will, er einen Monat umsonst arbeiten müsste um den Schaden zu ersetzen… von meiner Schmerzensgeldklage, wenn er mir die Klöten verbrüht hätte ganz zu schweigen. Wenig später bat ich den Zugbegleiter dann ein Sauerstoffzelt aufzustellen, denn in unregelmäßigen Abständen gab der Chinamann doch Laute von sich, die an ein seltenes Tier erinnerten, dass qualvoll verendet. So ging das dann ca. eine Stunde, denn glücklicherweise stieg der gute Mann in Hannover schon wieder aus.
Mit einiger Verspätung in Augsburg angekommen warf ich einen Blick auf die Uhr. Bis zur Abfahrt meines Anschlusszuges war es noch eine Viertelstunde. Ich also erstmal den Subway am Bahnhof geentert um Geld in einem Sandwich und einem dieser anbetungswürdigen Keksen anzulegen… äußerst gewinnbringend wie sich herausstellte. Ich verließ also frisch gestärkt den Subway und strebte durch die Bahnhofshalle zu meinem Gleis. Aus dem Nichts trat plötzlich eine junge Frau an mich heran. Sie war von atemberaubender Schönheit und Ihr Lächeln ließ in meinem Herzen die Sonne aufgehen. Da sprach Sie mich an: “Hast Du eine Minute Zeit für den Tierschutz?” Ich dachte nur: “Ich wünschte ich hätte, denn dann würd ich gerne deinen Bären kraulen.” Aber leider musste ich Ihr Anliegen verneinen, denn mein Zug stand schon am Gleis und war bereit abzufahren.
Ich stieg also ein und schaute noch einige Kilometer sehnsüchtig aus dem Fenster während der Zug mich gen Ulm beförderte. Nun ja… bald hatte ich auch einen Sitzplatz gefunden und es mir wieder gemütlich gemacht. Nach dem frühen Aufstehen und den Strapazen des “700-km-nur-Pampa-sehen-wenn-ich-aus-dem-Fenster-kuck” wollte ich eigentlich nur eine Runde schlafen… doch die Bahn gönnt einem sowas ja überhaupt nicht. Kaum war ich am Wegdösen, da ertönte auch schon ein freundliches aber bestimmtes “Guten Tag! Die Fahrscheine bitte…” durch den Waggon. Ich also mein Wahnsinns-selbstausgedrucktes- Online-Ticket ausgepackt und parat gehalten. Dann kam Sie zu mir… die Zugbegleiterin… schätzungsweise 20 Jahre alt und noch nicht ganz trocken hinter den Ohren , extrem unscheinbar, kurze Haare, die dafür sorgten, dass man Sie leicht mit einem männlichen Geschöpf verwechseln konnte (…okay, das Fehlen jeglicher Brust hat wohl auch seinen Beitrag geleistet…). Sie kuckte mein Ticket an und Ihre Miene stellte eine Ratlosigkeit zur Schau, wie ich sie selten sah. “Das ist ein Ticket für eine einfache Fahrt.” Darauf ich: “Richtig.” “Von Bremen nach Ulm.” Ich: “Genau.”… Sie verstand die Welt nicht mehr und war am über legen wie Sie mir jetzt erklärt, dass sie meinen Knackarsch vor die Zugtür setzt. Da übernahm ich die Initiative und sagte ihr, dass ich von Bremen über Augsburg nach Ulm fahre (…nicht, dass das nicht aus dem Ticket hervorgegangen wäre…). Sie - die Situation langsam durchschauend - meinte, dass ich mit meinem Sparfux-Ticket aber an die Züge gebunden bin, die da drauf stehen. Langsam Diskussionslaune entwickelnd, holte ich etwas weiter aus, brachte Ihr bei, die Uhr zu lesen, erzählte von einem technischen Defekt, der daraus resultierenden Verspätung und den nicht erreichten Anschlusszügen. Gerade wollte ich Ihr das mit den Blümchen und Bienchen näherbringen, da begriff sie langsam, dass ich die besseren Argumente hatte. Aber da holte sie ihre Geheimwaffe raus: “Dann hätten Sie aber einen Nahverkehrszug nehmen müssen.” Doch auch hierfür hatte ich nur ein mitleidiges Lächeln übrig und meinte: “Das ist mir eigentlich völlig egal. Ein Mann in blauer Schürze, mit lustigem rotem Hut und Trillerpfeife sagte, ich soll diesen Zug nehmen. Und nur weil Ihr komischer Verein nicht in der Lage ist Fahrpläne auch nur annähernd einzuhalten, steh ich nicht noch eine Stunde am Augsburger Bahnhof und spiel an mir selber rum oder such die Socke, die der Korbi nach ner Sauftour hier am Bahnhof mal hat liegen lassen.” (…Dramatisierungen sind ein legitimes Stilmittel - Anm. d. Autors) Völlig verstört murmelte die kleine noch ein “Passt schon.” und sah zu, dass sie Land gewann. Bis dahin waren wir dann auch fast in Ulm.
Der Rest der Reise verlief dann komplett ereignislos. Ich kam zuhause an und wunderte mich, wie sehr so eine Kellerwohnung doch abkühlen kann, wenn man 10 Tage die Heizung ausschaltet. Donnerwetter! Den restlichen Tag verbrachte ich also bekleidet mit T-Shirt, Longsleeve, Pulli, Sweatjacke, nem Wollpulli und gefühlten 42 Paar Socken in meiner Bude a.k.a. “The Fridge”. Den großen Teil dieses Ensembles musste ich dann auch über Nacht tragen, um sicherzustellen, dass ich am nächsten morgen auch wieder aufwache. Und um sicherzustellen, dass ich morgen nicht allzu spät aufwache, werd ich jetzt in die Heia gehen… sparsamer bekeidet natürlich.
Vorher pfeif ich mir aber noch lustige Antibiotika rein, die der Doc mir heut morgen gegen meine akute Bronchitis, die klingt wie 20 Jahre Kettenrauchen, verschrieben hat.
In diesem Sinne. Appell an Euch: Meidet die Deutsche Bahn! Wenn sie Euch über den Weg läuft, dann versteckt Euch. Wenn Sie vom Himmel fällt, springt unter ein Vordach. Wenn Sie Euch anspricht, dreht Euch um und geht. Lasst nicht zu, dass sie Euch ins Unglück stürzt! Appell an unsere Politiker: Scheiß auf den Klimawandel! Billigflugstrecken ausbauen und Kerosin noch günstiger machen… Nur so können wir diesen Satan, der sich mit den Buchtaben DB schmückt wirklich von der Landkarte tilgen… soviel dazu. Ich wünsche Euch alles Gute und noch eine schöne Restwoche…
– Euer Joachim
Liebe Gemeinde,
Da ich Euch selten genug mit den Belanglosigkeiten meines Lebens belästige, habe ich mir gedacht, ich stürze mich - völlig uneigennützig natürlich - in ein kleines Abenteuer. Dieses Abenteuer trug den Namen “Deutschland sucht den Superstar”. Ja, Ihr lest richtig. Ich war da! Bohlen rief zum Casting und ich schleppte meinen phlegmatischen Kadaver ebendort hin.
Da leider niemand Zeit hatte bzw. keinen Bock oder kein verkehrstüchtiges Auto zur Verfügung um mich zu begleiten, fuhr ich per Baden-Württemberg-Ticket nach Stuttgart um im Maritim-Hotel unweit des Hauptbahnhofes meine Karriere zu finden. Da standen sie also alle. Lauter verblendete Kinder, aufgedonnerte Landjugend und ethnische Randgruppen jeder Couleur… Ich glaub meiner war der einzige deutsche Personalausweis, der an jenem Abend gezückt wurde.
Ich marschierte also ganz nach vorne, in der Gewissheit, dass der Dieter aus Tötensen quasi nur auf mich wartet, und meinte zum Security-Menschen in Anzug und mit Knopf im Ohr: “Ich hab nen Termin beim Chef.” Er schaute mich nur mitleidig an und wies mich freundlich daraufhin, dass ich wie alle anderen in der Schlange warten solle. Und das wo ich Menschenaufläufe so hasse. (An dieser Stelle sei bemerkt, dass maßlose Übertreibungen und künstlerische Freiheit zu Stilmitteln des Autors gehören, selbiger sich aber bemüht weitestgehend bei den Fakten zu bleiben. Vielen Dank für Euer Verständnis.) Okay… so standen wir also dort unter dem Vordach in der Kälte, neben uns prasselte der Regen runter, vor mir etwa hundert Menschen, hinter mir etwa fünfhundert, von denen die talentlosesten sich dazu berufen fühlten den ein oder andere Gute-Laune-Song anzustimmen um uns die Wartezeit zu versüßen. Um sechzehn Uhr sollte die Chose losgehen. Wir warteten. Es wurde 17 Uhr. Es wurde 18 Uhr.
Ah… nun sollte es endlich losgehen. Ein Security-Heinz - und ich meine nicht diesen Typen im Anzug sondern eher die Kategorie, wie wir sie von einschlägigen Bauernfesten kennen - verkündete, dass wir nun bitte sämtliche Handys ausschalten müssen und sofern wir älter als achtzehn sind keine Begleitpersonen zugelassen sind. Dann wurden wir nach und nach in die Lobby des Maritim gelassen, wo wir unsere Unterlagen abgeben und Aufkleber mit Nummern darauf erhalten sollten. Als nächstes - ihr dürft raten… RISCHDISCH! - Warten! Wir warteten also, bis wir in den Aufenthaltsraum gelassen wurden. Dort konnte man warten, sich warmsingen, Snacks und Getränke zu völlig überteuerten Preisen vom Chef-de-Cuisine-in-Training kaufen…
Nun ja… das hätte man gekonnt. Denn noch bevor wir uns wirklich einsingen konnten kam auch schon der Tobi. Tobi trug ein Headset und ein T-Shirt auf dem “TEAM” stand. Tobi erklärte uns, dass er uns jetzt mitnimmt und zu den Castingräumen bringt. Derer gab es vier. Ihr werdet Euch jetzt fragen: “Wie kann der Bohlen in vier Räumen gleichzeitig casten?” Auch wenn er Lieder mit maximal vier Akkorden schreibt oder alle vier Wochen ne neue Ische klarmacht… Das kann er nicht. Ich war ja vorbereitet, aber es gab doch tatsächlich einige verwirrte Seelen, die dachten, dass man uns direkt auf Dieter loslassen würde. Nachdem dieser Tobi uns dann vor unserem Castingraum in der richtigen Reihenfolge auf die Stühle gesetzt hatte, erklärte ein anderer im “TEAM”-Shirt, dass wir da gleich reingehen sollten, uns auf das Quadrat stellen, dass den Boden ziert, uns kurz vorstellen und eine Strophe plus Refrain singen sollten. Okay. Gesagt getan. Die Tür öffnete sich und ich betrat den Raum.
Da war es… das Quadrat! Ich also zielstrebig auf jenes zu und punktgenau positioniert. Hui, erste Hürde geschafft. Als ich den Blick vom Fußboden erhob um mich etwas umzusehen, war das alles auf einmal gar nich mehr vertrauenerweckend. Ein Raum, der jeder Zelle in Guantanamo zur Ehre gereicht hätte, anderthalb Meter vor mir eine Kamera, die mir mitten ins Gesicht schaute, daneben zwei Flutlichter, die den Raum auf weit über den Siedepunkt aufheizten und im Dunkeln dahinter ein Kameramann, eine Ische, die nur in nen Monitor stierte und eine, die offensichtlich die Cheffin der Truppe war. Ich also erstmal ein fröhliches “Hallo zusammen!” rausgehauen. Damit war aber schon Schluss mit lustig. Ich also mein Sprüchlein aufgesagt mit Namen und Alter und was sonst noch als interessant gelten könnte. Beifallsstürme blieben aus, also kündigte ich meine Performance an und legte auch gleich los. Nach geschätzen zwanzig Sekunden, die mir endlos erschienen war dann alles beendet und ich wurde mit den Worten verabschiedet: “Vielen Dank. Wir konnten uns, denke ich, ein Bild machen. Wir sprechen uns später.” Ich verließ den Raum. Der nächste bitte.
Das war es also?!? Konnte das alles gewesen sein? Kurz und schmerzlos: Ja! Der Zauber war so schnell vorbei, wie er begonnen hatte. Ich tigerte also zurück in den oben beschriebenen Aufenthaltsraum, wo ich… RISCHDISCH! - wartete! Denn nicht dass es reichte uns aufstrebende Nachwuchstalente nach einer 12 sekündigen Performance zu beurteilen (… ich behaupte sowieso, dass die Entscheidung schon in dem Moment fällt, in dem man durch die Tür kommt…) - nein - Wir mussten uns so lange gedulden bis alle, ja, ALLE gesungen hatten, bevor uns eine Entscheidung mitgeteilt wurde.
So begab es sich also, dass ich zusammen mit den verbliebenen mehr oder minder talentierten Flitschbirnen die Zeit totschlug. Ich wehrte mich weiterhin standhaft gegen die überteuerten Speisen und Getränke, die feilgeboten wurden. Und lasst Euch sagen: Mit dem Magen in der Kniekehle wartet sich’s nicht unbedingt einfacher. Aber da waren ja zum Glück immer wieder Leute mit Gitarren, die hier und da ein Liedchen anstimmten und jene, die sie umringten zum Mitsingen animierten. Nun ja… zumindest, wenn die Kamera auf sie gerichtet war. Und… oh!… Da fing spontan eine Gruppe an zu jammen. 5 Jungs gaben einen Song zum besten, und das gar nicht schlecht. Aber das kann ja nicht sein, dachte sich da einer vom Kamerateam und wies sie darauf hin, dass wir ja nicht zum Spaß da sind und sie immerhin gerade am drehen sind. Wo kämen wir da auch hin, wenn da jeder singen könnte wann er will. Undenkbar!
Aber der nächste Lichtblick ließ zum Glück nicht lange auf sich warten. Da war… ach ich hab keine Ahnung wie er hieß, aber er war krass drauf. Südländisches Aussehen - Albaner wie sich später rausstellte - mit Glasklunkern behangen und eine Frise auf dem Kopf wie Tokio Hotels Bill wenn er seinen Pillermann in die Steckdose hält. So war er gekommen und riskierte seinen Job in der Geisterbahn um unser Superstar zu werden. Und Talent?… tja… wenn er das buchstabieren kann, ist schon viel erreicht. Denn mehr war echt nicht zu wollen. Die Kamera stürzte sich erwartungsgemäß sofort auf ihn und man forderte ihn auf, mal eine Kostprobe seines Könnens darzubieten. Es war also nicht mehr abzuwenden, dass er den völlig unbekannten soullastigen Song eines noch unbekannteren Künstlers in einer Interpretation ablieferte, die eher an “Alle meine Entchen” erinnerte als an Popmusik. Aber die Kamera liebte ihn. Traurig!
So vergingen die nächsten zwei bis drei Stunden quasi wie im Flug. Gut… es war ein langer, grausamer Flug, aber… egal. Irgendwann war es endlich soweit. Die verbliebenen Kandidaten - meiner Einschätzung nach vielleicht noch die Hälfte dessen, was anfangs da war - wurden zusammengepfercht, die Türen des Aufenthaltsraums geschlossen. Ein Typ, der scheinbar der Guru der ganzen Chose zu sein schien trat in die Mitte des Raumes und begrüßte uns, dankte für unsere Teilnahme und ließ folgende Regeln für jene verlauten, deren Namen gleich verlesen werden sollten. Wessen Name vorgelesen wird, der soll morgen wiederkommen um vor Bohlen zu performen. Wer morgen wiederkommt, der muss im exakt selben Outfit wie beim ersten mal auflaufen. Sprich: Selbe Klamotten, selbe Frisur, selbes Make-up. Selbiges gilt für etwaige Begleitpersonen. Als alle wieder aufgehört hatten zu lachen, weil sie merkten, dass das sein Ernst war, ging es also daran die Namen der Todgeweihten zu verlesen. Gewählt wurde ein relativ unspektakulärer Diskotürke. Buntes Poloshirt, sauber geshaveter Kuranyi-Bart und Stinktier auf dem Kopf… kurz gesagt: Schaut euch im Liberty oder am Ulmer Hauptbahnhof um, da seht Ihr solche im Dutzend. Der Nächste war ein eher unscheinbar-alternativer Gitarrero. Irgendwo zwischen Reinhard Mey und James Blunt angesiedelt und… hab ich schon unscheinbar gesagt? Weiter geht’s. Die nächste Kandidatin stand meiner Ansicht nach auf Dieters persönlicher Wunschliste: Braungebrannt, Tiefes Dekolletee und riiiiesen Brüste! Vielleicht hat sie noch andere Talente, was aber meiner Ansicht nach bei diesen Argumenten völlig nebensächlich ist. Nun ja… ansonsten wurden noch drei oder vier Typen und Mädels ausgewählt, die… na ja… ich kann Euch nicht mal mehr was über die sagen, getreu dem Motto “Gesehen, gelacht, vergessen”. Einzig erwähnenswert ist vielleicht noch der Kollege, der als letzter auserwählt wurde. Er war ofensichtlich Türke, absolut keine Schönheit und gänzlich talentfrei. Nach eigener Aussage versuchte er zwei Lieder zu singen, was aber völlig fehlschlug, woraufhin er der Castingfrau einfach etwas vortanzte. Diesen Tanz führte er uns sogar auch noch vor, und lasst euch sagen: Selten war ein epileptischer Anfall so erfolgreich. Wahnsinn!
Mit der bekanntgabe der acht Gewinner - acht von achthundert! - war die Veranstaltung dann auch schon beendet. Wir Nichtgewinner wurden aufgefordert nun das Etablissement zu verlassen, damit man noch Fotos und Interviews mit den Gewinnern machen kann. Ich verließ also das Hotel und nahm den nächsten Bus gen Bahnhof, wo ich dann auch gleich eine Bummelbahn nach Ulm bekam. Und was lernen wir daraus? Es ist nicht alles Gold, was glänzt, is klaa. Viel wichtiger: Man kann ein zweiminütiges Casting so in eine zehnstündige Odyssee verpacken, dass man den ganzen Sonntag was davon hat. Und zu erzählen hat man auch ne Menge. Und von meiner Zug-Bekanntschaft mit einigen jungen Menschen, die den Tag - wesentlich sinnvoller, wie ich finde - auf dem Cannstatter Wasen verbracht haben und entsprechend beieinander waren erzähle ich euch an anderer Stelle sobald meine Finger aufgehört haben zu bluten.
In diesem Sinne… Kündigt eurem Gesangslehrer und besucht lieber eine Clownschule, wenn Ihr es auf die große Bühne oder zumindest vor Bohlens Schreibtisch schaffen wollt. Bis dahin…
– Euer Joachim
Morsche Supporter!
Mich beschleicht das Gefühl, es wird mal wieder höchste Zeit euch mit den dreckigen Details meines kleinen Lebens zu beglücken… aaalso. was ist denn so passiert in letzter Zeit?… hmm… ja gut, ich sag mal: nicht viel. Einzig ein verträumter Dienstag Abend fällt mir da ein. Aber ich hole etwas weiter aus.
Um mein Konto dem Haben ein wenig näher zu bringen, beschloss ich in den Semesterferien sechs Wochen lang jeden Abend meinem Lieblingsjob im Lager eines örtlichen Pharmagroßhandels nachzugehen. Und um dem positiven Lebenswandel, den ich ja bekanntlich führe, auch noch die Krone aufzusetzen, wollte ich die 15 km zur Arbeit und ebensoviel zurück mit dem Drahtesel, den ich in den letzten autolosen Monaten so lieb gewonnen hatte, zurücklegen. Ja… Riesen-Idee!
In feschem, sportlichem Outfit fuhr ich also zu Hause los, mich immer an die aktuell gültige StVO haltend, umsichtig… einfach vorbildlich. Es muss sich in etwa zur selben Zeit zugetragen haben, dass ein Herr im besten Alter - ich schätze Anfang bis Mitte sechzig - in seinem Schrebergarten beschloss: “Ich fahr jetzt mal mein neues Rad gassi.” So fuhr er also los, schnell wie der Wind, derselbe Strich ihm durchs Haar, er spürte einen Hauch von Freiheit. Ich dagegen fühlte mich etwas eingeengt, denn ich musste - zugegebenermaßen aus mangelnder Ortskenntnis - mein Fahrrad einige Meter weit über den Fußweg schieben. Um der Enge zu entgehen beschloss ich also die Straßenseite zu wechseln um den dort situierten Radweg zu erreichen. Ein grober Faux-pas wie sich herausstellen sollte. Ich wartete also den PKW-Verkehr ab und überquerte auf dem Rad dann die Straße. Wie ich mich so langsam auf den Radweg vortastete, sah ich von links den eben genannten Herren heranbrausen. Geistesgegenwärtig griff ich in die Bremse. Doch sah ich in seinem Gesicht leider nur diesen verträumten Blick. Als er mich endlich wahrzunehmen schien, verließ sämtliches Blut seinen Kopf - zu erkennen an der blassen Gesichtsfarbe - und er schien es für eine gute Idee zu halten nicht mehr zu bremsen sondern alternativ mich und mein Velo als Prellbock zu nutzen. So flogen wir also beide in hohem Bogen von den Rädern, dass sogar Evel Knievel neidisch geworden wäre.
Wir lagen also beide leicht verwirrt am Boden, checkten unsere Wunden und begutachteten unsere Räder. Unterm Strich: An seinem Rad rudimentäre Schäden, an ihm Prellungen und Schürfwunden. Mein Rad… Totalschaden. Ich… ebenfalls diverse Prellungen und Schürfwunden, drei Tage krankgeschrieben. Zu allem Überfluss kam wenig später seine von ihm angerufene Ehefrau, die bei weitem nicht so ruhig blieb wie er selbst. Obwohl sie keine Ahnung hatte, was passiert war, hielt sie mich vom ersten Augenblick für einen kompletten Vollidioten. Murmelte ständig diverse Flüche in den nicht-vorhandenen Bart, hin und wieder unterbrochen von Worten wie “Schadenersatz” und “Schmerzensgeld”. Natürlch war sie völlig schockiert als sie mich auf meine sicherlich vorhandene Haftpflichtversicherung ansprach und ich sie nur verständnis- und versicherungslos anschaute. Von da an hatte ich in Ihren Augen jegliche Daseinsberechtigung verloren. Aber seis drum. Polizei kam, Polizei ging wieder und nach einigen Stunden im örtlichen Krankenhaus und der Gewissheit, dass sämtliche Knochen heil sind, ging ein weiterer Tag in meinem glorreichen Leben zu Ende.
Bis heute hatte ich nichts von der Polizei oder meinem Unfallgegner gehört. Bis heute. Ich sollte heute auf dem Polizeirevier vorbeischauen um meine Aussage zu Protokoll zu geben. Ich dachte noch: “Is’ ja nich’ so wild”, und lief pünktlich dort auf. Als der nette Polizeibeamte mich jedoch begrüßte mit den Worten: “Guten Tag Herr Herrmann. Sie sind der Beschuldigte einer Straftat: Fahrlässige Körperverletzung”, da fand ich es gar nicht mehr so lustig und mein Herz rutschte mir zugegebenermaßen in Regionen, in denen es eigentlich nichts zu suchen hat. Na gut… er meinte zwar auch, dass das Verfahren wohl eingestellt werden würde, was mich angesichts des zu erwartenden Bußgelds allerdings nur unwesentlich beruhigte. Wie auch immer. Ich schilderte dem Herren in Beige nochmal genau den Ablauf des Unfalls, verließ die Polizeidienststelle und machte mich auf meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: Arbeiten um die Staatskasse füllen zu können.
Was lernen wir also daraus? Ganz klar: Es ist falsch Fahrrad zu fahren. Gott hat nicht zum Spaß das Auto erfunden. Kein Mensch sollte sich auf so eine zweirädrige Höllenmaschine setzen müssen. Nun ja… die Thematik hat sich für mich sowieso erst einmal erledigt, da ich mein Fahrrad nach besagtem Zwischenfall zur letzten Ruhe betten konnte und die monetären Mittel für ein neues in weiter Ferne sind. Apropos zur Ruhe betten… Das werde ich jetzt auch tun. Ist ja schon wieder etwas später geworden. Und das Fernsehprogramm ist auch unter aller Sau. Ich bin immer wieder schockiert, dass amerikanische Talkshows noch niveauloser sind als unsere deutschen. Aber dazu mehr an anderer Stelle.
In diesem Sinne… Gute Nacht und hütet Euch vor Rentnern, die Fahrräder fahren.
– Euer Joachim