Liebe Freunde der gediegenen Samstagabend-Unterhaltung,
ich zappe neulich durch das allabendliche Fernsehelend, da stoße ich auf eine adrett anmutende junge Dame, die sich als die Autorin eines neuen Buches entpuppte. Titel: “Krasse Abstürze - 33 fabelhafte Berichte über heftige Filmrisse, verrückte Totalausfälle und peinliche sexuelle Ausrutscher”. Ich war sprachlos… Zuerst ging ich davon aus, dass die Olle einfach von meinem Blog abgeschrieben hat. Denn nirgendwo werden auf äußert unterhaltsame Weise die Tücken des übermäßigen Alkoholkonsums schonungsloser aufgezeigt als hier. Doch andererseits würde das offen lassen, was es mit den peinlichen sexuellen Ausrutschern auf sich hat. Also hat sie das ganze vielleicht doch selber erlebt. Macht sie ja auch irgendwie menschlich und sympathisch. Hab ich schon erwähnt, dass sie recht nett anzusehen war? Wie dem auch sei… meine Neugier war geweckt.
Ich muss allerdings gestehen nachdem ich diese Lesung einer Geschichte bei einem mir gänzlich unbekannten Radiosender heute entdeckte bin ich etwas desillusioniert. Wenn sich alle Geschichten auf dem Niveau wie die eben dort rezitierte bewegen, dann sollte ich vielleicht doch endlich mal meinen Blog drucken, binden und als Buch verticken. Denn das, was die junge Dame hier darbietet ist dann doch ehrlich gesagt ziemlich fad… hinzu kommt noch, dass sie lesetechnisch wohl kurz nach der Grundschule aufgehört hat Fortschritte zu machen. Wer sich das ganze doch mal anschauen möchte, der sollte hier zugreifen…
Wer auf das Konzept steht, aus Sauf- und Vögelgeschichten Kapital in Form eines Buches zu schlagen, der englischen Sprache mächtig ist und sich tierisch wegschmeißen möchte vor Lachen, der sollte einen Blick auf “I hope they serve beer in hell” werfen…
Tucker Max - Vollzeit-Arschloch und Teilzeit-Gott - schildert in einem bunten Strauß von Anekdoten, die zumeist in volltrunkenem Zustand (auch gerne als “shit-housed” bezeichnet) erlebten Geschichten, die sein Leben und sein gestörtes Verhältnis zu Frauen beschreiben. Wer die eine oder andere Kostprobe lesen möchte, der wird auf seiner Webseite ausgiebig versorgt. Und wer dann schlussendlich angefixt und Hardcore-Fan geworden ist, wie ich es bin, der wird die Tage zählen bis endlich der zugehörige Film in den deutschen Kinos anläuft. Das Ding hat potential die letzte Perle am Himmelszelt des Männerkinos namens “The Hangover” zu toppen.
In diesem Sinne entlasse ich euch für heute mit einem klaren Auftrag: Geht am Wochenende raus auf die Piste, lasst euch vollaufen, erlebt was, benehmt euch daneben, lasst euch völlig gehen… und dann schickt mir Eure Absturz-Geschichte damit ich Sie hier veröffentlichen kann. Unter allen Einsendungen verlose ich die ersten 5 Exemplare des “Das Leben hat mich nicht gefragt…”-Bestseller-Buches… sobald es erscheint. Ich bin gespannt… Toby, magst nicht anfangen?
Euer
Joachim
Hallo liebe Liebenden… und auch der Rest,
auch wenn es Euch seelisch völlig zu Grunde richtet zum dritten Mal innerhalb einer Woche von mir zu lesen… dieses Risiko muss ich einfach eingehen. Denn drei mal dürft Ihr raten… exakt… ich sitze mal wieder in einem Zug, verfüge über keine Internetverbindung und kann nicht schlafen, habe also genug Zeit, Euch mal wieder nen Schwank aus meinem ereignisreichen Leben zu verkünden.
Wenn Ihr Euch ein wenig an die Geschichte von “Titten-für-den-Weltfrieden”-Tobys Dreißigstem Jahrestag erinnert, dann deute ich da an, dass es da einen zweiten Grund gab, warum sein Geburtstag einen denkwürdigen Zeitpunkt in der Geschichte unserer Welt darstellte. Es war der erste Tag nach meinem zweimonatigen Alkoholentzug… richtig gelesen: Es war mal wieder so weit. Der ein oder andere Vorfall veranlasste mich, mir den Konsum alkoholhaltiger Getränke völlig zu untersagen. Wie das meistens so ist, waren die Zeichen schon lange da… ich wusste sie nur nicht zu deuten. Komplette Tage, die in totaler Unproduktivität und der Horizontalen auf meinem Kannappee vergingen, drei Tage langes Unwohlsein in der Magengegend, völlige Erschöpfung bereits am ersten Arbeitstag der Woche und stechende Schmerzen in der Hirngegend am Morgen danach… all das war schon länger Usus, aber wie das oft so ist: Man braucht erstmal einen Anlass um mit Dummheiten jeglicher Art Schluss zu machen. Und meinen Anlass möchte ich Euch heute erzählen.
Es begab sich also vor mittlerweile zweieinhalb Monaten, da fassten wir, das heißt Jochen, Toby, ich und diverse unserer Freunde, den Entschluss, dass es mal wieder allerhöchste Eisenbahn wäre den Tanzboden in einer der angesagtesten Dissen Ulms zu rocken. Ein gepflegter Abend im Theatro stand also auf dem Programm. Und wie das meistens abläuft wird im Vorfeld nicht nur Vanilletee getrunken. Also trafen wir uns bei Jochen um etwaig vorhandene Biers und Sambucen (Sambuca, der; Plural: die Sambucen… so wie Taxi/Taxen, Pizza/Pizzen, Sofa/Sofen, Motto/Motten, …) ihrer Bestimmung zuzuführen. Kaum, dass das erledigt war - dass wir alle schon ein wenig bedüdelt waren brauch ich an dieser Stelle nicht erwähnen - gingen wir gen Innenstadt um uns auf dem Weg noch in der berühmt berüchtigten… na ja, eigtl. ist sie nur berüchtigt… egal. Auf jeden Fall wollten wir uns mit anderen Partywilligen in der Vorglühbar treffen um dann ins Theatro weiterzuziehen. Wie das Leben so will, hatte Ralf Gonzales (…so ähnlich muss er heißen…), der Wirt unseres Vertrauens so viel Alkohol im Laden, dass er den sogar verkauft hat, wovon wir reichlich gebrauch gemacht haben. So landeten also drei Cocktails in meinem Schlund, die mich zudem insgesamt nur vier Euro kosteten… und da sag nochmal einer, ich sei kein Sparfux. Nun ja… die Meute war vollständig und wir ständig voll (…ich weiß, dass das sinngemäß nicht sooo geil hier reinpasst, aber dieses Wortspiel fand ich so großartig, dass ich es unbedingt loswerden wollte.). Wir wanderten also weiter in Richtung unseres Zielortes. Im Theatro angekommen, sahen wir ein, dass wir schon wieder zu viel getrunken hatten, bestellten jeder ein stilles Wasser mit Zitronenschnitz und pflegten die gediegene Konversation… Bullshit! Wir hauten uns noch einige Biers rein, danceten, dass alles zu spät war und sabberten hinter allem her, was Arsch, Brüste und nen Puls hatte. Zumindest ist diese Aussage eine Kombination aus der Berichterstattung Dritter und meinen Erfahrungswerten, denn tatsächlich erinnern kann ich mich daran nicht. Um den exakten Zeitpunkt meines Filmrisses zu definieren: es war direkt, nachdem wir den Eintritt gezahlt hatten.
Meine Erinnerung setzt dann am nächsten Morgen ein, als meine liebe Nachbarin, die Katrin, urplötzlich im Hausflur an meiner Tür stand und rief: “Jo! Hallo! Bist du da?” Ich wunderte mich, wieso die einfach auf nen Samstag Mittag in meine Bude einbricht um nach mir zu rufen. So schnellte ich also aus meinem Bett hoch… das Blut in meinem Körper blieb aber leider knapp über Laminathöhe, so dass mir gar nicht so gut war in diesem Moment. Die Katrin erklärte mir kurz, dass sie sich um mich sorgte, da den ganzen Morgen meine Tür offen stand. Konnte ja gar nicht sein. Konnte doch sein, da ich in meinem Suff die Tür offensichtlich zuerst abgeschlossen hatte, bevor ich versuchte sie ins Schloss zu drücken, was nicht so von Erfolg gekrönt war, wie ich es mir wohl gewünscht hätte. Nachdem die Katrin wieder nach nebenan gegangen war, verschloss ich also erstmal meine Tür ordnungsgemäß. Langsam lüftete sich der Dunst vor meinen Augen und ich sah mich in meiner Wohnung um… Dort lagen diverse Kleidungssstücke - natürlich nur diejenigen, die ich nicht zum Schlafen angelassen hatte - in alle Windrichtungen verstreut. Langsam begann ich in meinem benebelten Schädel einen pochenden Schmerz zu spüren, wie er abartiger kaum sein konnte. Wie jedes Mal überprüfte ich das Vorhandensein meiner Habseeligkeiten. Geldbeutel? Anwesend aber leer. So viel hatte ich doch gar nicht getrunkrn. Da müsste doch noch ein Fuffi übrig sein… seltsam. Schlüssel mit Schlüsselbund? Im Schloss der Wohnungstür (…lag bei anderer Gelegenheit auch schon einmal in einzelne Schlüssel zerteilt und um einen Briefkastenschlüssel dezimiert auf dem Fußboden meiner Wohnküche. Handy? Anwesend (…wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ich es im Kühlschrank zwischen Emmentaler und Lyoner wiederfinde). Jacke? Anwesend (…auch das war nicht immer so. Mein Jackenverschleiß ist berüchtigt!). Jeans durchwühlt. Kein Geld. Aber Strafzettel. Strafzettel? Ich hab doch gar kein Auto?!? Da fingen meine Synapsen an zu rotieren. was war da los?!? Die beiden Strafzettel, die ich zerknüllt in meiner Hosentasche fand befanden sich ursprünglich an der Windschutzscheibe eines Smart des örtlichen Car-Sharing-Projekts car2go, welcher in der Innenstadt auf meinem Heimweg geparkt war. Langsam aber sicher machte sich eine nicht unerhebliche Verunsicherung breit. Ich rief also den Toby an um mir erklären zu lassen, was während meines Filmrisses passierte:
Wir verließen gegen halb vier das Theatro. Alle wollten nur noch nach Hause. Alle? Weit gefehlt. Toby und ich wollten unbedingt noch in den Schicki-Micki-Tanzschuppen etwa einhundert Meter vom Theatro entfernt, das Myer’s. Der Türsteher machte uns allerdings klar, dass Toby hineingehen dürfe, ich aber zu betrunken sei. darauf verwickelte ich ihn in ein Gespräch… zugegeben… ich hielt einen Monolog, in dem ich ihn auch mit Begriffen titulierte, welche die ein oder andere Randgruppe als unpassend empfunden hätte. Dies trug natürlich nicht zu seiner Laune bei, so dass wir beide unverrichteter Dinge von dannen zogen. Wir gingen also zum Rest der Gruppe zurück, die auf uns gewartet hatten. Nein, gelogen. Toby ging zurück. Ich lief kommentarlos in die andere Richtung, welche meinen Heimweg darstellte. Von da an weiß leider niemand, was ich getan habe. Mit der Ausnahme, dass ich circa drei Stunden später versucht habe Toby anzurufen. Sehr, sehr mysteriös das alles.
Ich fasse zusammen: Nicht in die Disko gekommen, Türsteher beleidigt, heimwärtsgetorkelt, drei Stunden später telefoniert, dazwischen Strafzettel von Smarts abgepult. Ich kombinierte mit meinen Sherlock-Holmes-mäßigen Fähigkeiten: Halb vier Uhr, Fünfzig Euro in der Tasche, die mittlerweile fehlen, Strafzettel vom Car Sharing in der Tasche… Schlussfolgerung: Ich nahm den Smart, der auf dem Heimweg so rumstand, fuhr damit in die Blaubeurer Straße, den einzigen Ort, wo man um diese Uhrzeit noch fünfzig Euro loswerden kann. Sei es bei McDonald’s, Burger King oder wenn’s gut gelaufen ist im örtlichen Laufhaus oder der Nacktbar nebenan. Verdammt! Was hab ich da getan?!? In diesem Moment rutschte mein Herz dermaßen in die Hose, ich bekam Hitzewallungen und der Angstschweiß trat vollflächig aus meinem Körper aus. Eine derartige Angst habe ich glaube ich noch nie gespürt. Speziell der Gedanke in meinem Zustand mit einem Mietauto gefahren zu sein, in dem Bewusstsein, dass meine Verfassung so war, dass die Chance größer war, dass ich diverse Fußgänger überfahre als dass ich heil zu Hause ankomme, hat mich völlig fertig gemacht.
Ich also erstmal etwas über meinen Revuekörper gestriffen und aus dem Haus gegangen. Ich lief eine Runde durch die erweiterte Nachbarschaft, um sicherzugehen, dass nicht in irgendeinem Vorgarten um eine Laterne ein vertträumter kleiner Smart gewickelt war, unter dem noch multiple Gliedmaßen herausschauen. Ich konnte aber glücklicherweise keinen finden. Später kam ich auf die Idee, in meinem Buchungsportal im Internet nachzuschauen, aber auch das sagte mir, dass ich keinen Smart mehr bewegt hatte. Als ich mit Don X telefonierte, teilte dieser mir außerdem mit, dass ich meine fünfzig Euro wohl doch schon in der Disko in Alkohol getauscht und zu einem Teil auch ihm geliehen hatte… und da keine Abhebung auf meinem Kontoauszug zu finden war, war also sichergestellt, dass ich mein Geld weder verfressen noch vervögelt hatte… huiuiui… wiedermal Glück gehabt.
Nach und nach wurden also meine Befürchtungen entkräftet, doch da bis heute ungeklärt ist, was ich in den drei Stunden gemacht habe, die mir an jenem Abend fehlen, und was ich Toby um halb sieben Uhr morgens so dringend mitteilen wollte, hielt sich dieses flaue Gefühl im Magen noch eine ganze Weile.
Dies war also die Geschichte, wie ich beschloss für eine ganze Weile auf Sex und Alkohol zu verzichten und in Askese zu leben… Okay, das mit dem Sex war nicht meine Idee, aber das mit dem Alkohol habe ich freiwillig durchgezogen. Ich setzte mir 2 Termine, an denen ich trinken würde und genau an diesen trank ich. Dazwischen war ich etwa zwei Monate trocken und muss sagen: Es hat mir sehr gut getan und ich fühle mich wesentlich besser als zuvor. Nicht nur, weil meine Leber vermutlich auf ein Viertel ihrer vorherigen Größe geschrumpft ist, sondern auch, weil ich mir seit langem endlich mal bewiesen habe, dass ich mir etwas vornehmen und auch durchziehen kann. So etwas kam schon lange nicht mehr vor.
Andererseits möchte ich aber auch etwas anklagen. Und zwar muss ich an dieser Stelle meinen Freunden mal einen Vorwurf machen: Warum kommt niemand damit klar, wenn einer von uns sich mal eine Weile nicht zuschüttet als gäb es kein Morgen? Zugegeben, es kommen bei nüchternen Abenden nicht solche Straßenfeger heraus wie diese Geschichte einer ist, aber warum wird man angefeindet und als Langweiler tituliert nur weil man mal nicht völlig entgleist? Freunde sollten so nicht zueinander sein. Nehmt Euch das zu Herzen bevor Ihr wieder den Gruppenzwang in Reinkultur propagiert, in dem Ihr Antialkoholiker diskriminiert und aufs übelste mobbt. Macht das doch lieber mit Rauchern
Damit entlasse ich Euch nun mal wieder in eure eigene Welt, aber denkt auch Ihr Anderen daran: Niemand hat es verdient wegen des Verzichts auf Alkohol angefeindet zu werden. Solche Menschen müssen unterstützt werden. Alkohol böse. Freunde lassen Freunde nicht betrunken Auto fahren. Aber sieben Bier sind auch ein Schnitzel.
In diesem Sinne…
Euer Joachim
Dunnerkeil…
was ein Fest war das am vergangenen Wochenende. Mein lieber Freund der Tanzflur-Toby feierte sein dreißigjähriges Bühnenjubiläum auf dieser Bühne, die wir Leben nennen. Und es sollte aus zwei Gründen ein wunderschönes Spektakel werden.
Zunächst war es einfach ein schönes Fest, das die besten Exemplare unserer Spezies endlich einmal wieder unter das selbe Dach zum Feiern zusammenbrachte, was viel, viel zu selten geschieht. Gegen zwanzig Uhr begannen wir mit köstlichen Hors d’œuvre und den ersten Biers, die alsbald von diversen Likörchen ergänzt wurden. Angesichts der Tatsache, dass der Geburtstag rein technisch erst ab Mitternacht eingeläutet werden sollte, machte ich mir ein wenig Sorgen bezüglich meines Zustands, den ich zu diesem Zeitpunkt haben würde. Denn wie sich das für so einen runden Geburtstag gehört, war eine Bescherung geplant, wie sie eines alten Mannes würdig ist, inklusive diverser Laudationes, die von uns, die wir seine besten Freunde darstellen, gehalten werden sollten.
Nichtsdestowenigerzumtrotz fuhren wir mit dem Befeuchten unserer durstigen Kehlen fort (… warum verspüre ich beim Schreiben dieses Satzes den unbändigen Drang, erotische Geschichten zu verfassen?!? …komisch). Und siehe da, um Mitternacht standen wir alle noch einigermaßen senkrecht, zumindest in ausreichenden Maße, dass wir in der Lage waren, die Show beginnen zu lassen. So begann der gute Wolfgang, quasi unser Creative Director, der das Denken und Deligieren offensichtlich schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, und dem an dieser Stelle noch einmal Dank für seine Leistung in Sachen Geburtstagsgeschenkidee und -umsetzung ausgesprochen werden soll. Weiterhin seien lobend erwähnt die Performances von Don X und Jackass-Jochen, die an diesem Abend unerreicht blieben. Der Don demonstrierte mit einer eloquenten Einleitung zu romantischer Hintergrundmucke und einem zauberschönen Sonett, das Tobys Verhältnis zur Frauenwelt nicht treffender hätte umschreiben können, dass er doch zurecht den Schritt vom Antiliteraten zum Deutschlehrer und Hobbylyriker gewagt hat. Und Jochen… ohne Worte. Thema seiner Laudatio: Helden unserer Jugend. Und wie es sich für einen Jungen gehört, der die kompletten Achtziger mitgenommen hat, lief er in einem Outfit auf, dass den anwesenden Damen sogleich einen warmen Schwall am Bein runterlaufen ließ. Angefangen beim Jane-Fonda-Trainingsanzug, der weiß mit lilafarbenen Ornamenten daherkam, über die braun-goldene Porno-Pilotensonnenbrille bis hin zur hart antrainierten Schenkelbürste, dem lockigen Brusthaartoupet und dem MacGyver-hoch-zehn-Vokuhila in straßenköterblond. Der folgende Vortrag über David Hasselhoff, das A-Team und den bereits angeschnittenen Herrn Angus MacGyver war dann wie nicht anders erwartet ähnlich großartig. Jungs, dafür nochmal “Daumen hoch!”. Nachdem dann alle Geschenke überreicht waren stimmten wir noch die exklusiv umgeschriebene Version des musikalischen Kleinods “Joana” an um uns danach wieder dem Alkohol, leckeren Geburtstagskuchen und der Tanzfläche zu widmen. Ich sach euch… ein Wiener Walzer auf zwei Quadratmetern holpriger Wiese wenn man schon ordentlich einen im Tee hat ist gar nicht so prickelnd, auch wenn die Partnerin noch so großartig ist… kleiner Gruß an dieser Stelle an eben jene wundervolle Tänzerin: Wir müssen das bei Gelegenheit mal unter besseren Bedingungen wiederholen. So feierten wir bis in die Morgenstunden, reichten ein Dreiliterglas gefüllt mit Perlachschorle herum, sangen und tanzten als gäbe es kein Morgen…
Den gab es aber doch und war zumindest auf meiner Seite geprägt von Kopfschmerz und grenzenloser Übelkeit, was vermutlich auf den Alkoholkonsum des vergangenen Abends zurückzführen war.
Eben dieser Alkoholkonsum führt uns auch schon zur nächsten Geschichte und dem zweiten der oben angesprochenen Gründe, warum dies ein denkwürdiger Tag war… da mir allerdings auch schon die Fingerkuppen bluten, werde ich Euch diese kleine Anekdote beim nächsten mal kredenzen.
Ihr seht aber: Dreißig zu werden scheint gar nicht so schlimm zu zu sein. Ich bin gespannt wie sich das bei mir äußern wird, dauert ja auch nicht mehr soooo lang.
In diesem Sinne…
Euer Joachim
Sehr geehrte Liebhaber des gewandten Worts…
Wie ich diese Zeilen schreibe sitze ich im Zug auf dem Rückweg von Bremen nach Ulm… nun ja, streng genommen auf dem Heimweg nach Stuttgart zumindest, wenn es nach der Deutschen Bahn, meinem All-Time-Favorite unter den Unternehmen mit Monopolstellung geht. Manche Leute meinen Microsoft sei böse, manche meinen, die Stylenazis von Apple seien böse… nein, mein Hass konzentriert sich auf den Teufel, der sich DB abkürzt… aber damit habe ich euch bereits an anderer Stelle gelangweilt. Nur soviel: Ich stieg um 17:25 in den Zug ein, der um 16:44 fahren sollte… vor ca. einer Stunde kam die Durchsage, dass die Passagiere, die weiter als bis Stuttgart müssen Ihr Ziel heute nicht mehr erreichen. Glauben die! Eines meiner Ziele werde ich heute definitiv noch erreichen. Ziel Nummer eins: Ich werde - wie auch immer - von der Deutschen Bahn nach Hause kutschiert. Ziel Nummer zwei: Sollten die sich sträuben dieses zu bewerkstelligen, wede ich heute meine erste Nacht in einer Zelle verbringen und morgen in der Stuttgarter Zeitung stehen, als derjenige, der den schönen neuen Bahnhof völlig auseinandergenommen hat.
Soviel dazu… aber eigtl. wollte ich euch ein bisschen was schreiben um mich auf andere Gedanken zu bringen. Nun denn…
Aus gegebenem Anlass schwelge ich in Festival-Nostagie. Dieser Anlass ist mein relativ spontaner Besuch des Southside-Festivals im malerischen Neuhausen ob Eck. Ehrlich gesagt habe ich noch keine Ahnung wie malerisch das wirklich ist, da ich bisher jede Konfrontation mit dem Southside gemieden habe. Aber diese Woche ereilte mich der Anruf eines guten Freundes, der nicht nur gerne damit glänzt anderer Leuts Festplatten zu demolieren sondern auch eine Karte für besagtes Southside übrig hat. Dementsprechend werde ich heute Nacht - Slash - morgen früh nach hause kommen, die letzten Klamotten einpacken, die noch nicht bzw. ganz oben auf dem Stapel Dreckwäsche in meiner Wohnung auf mich warten, um dann morgen Abend wiedermal in einem Zug zu sitzen um mich das komplette Wochenende unter Alkoholeinfluss auf einem matschigen Festivalgelände danebenzubenehmen.
Was mich auch gleich zu meiner Festival-Geschichte bringt. Schwache Überleitung, aber glaubt mir, dafür wird die Geschichte umso besser. Es begab sich also im Jahre des Heils 2003, dass mein alter Freund und offizieller “Evil Heinz Nummer Eins” Toby mit mir und einer meiner Kommilitoninen (Ja, ich bin schon dabei mich selbst zu geißeln nachdem ich das Wort benutzt habe.) auf das sagenumwobene Summer Breeze Festival gefahren ist. Es ging an einem Donnerstag im August los. Wir brachen zeitig auf um noch einen annehmbaren Platz auf dem Campinggelände zu erhaschen… Pustekuchen! Konnte ja keiner ahnen, dass der Otto-normal-Metaller bereits drei Tage früher anreist. So blieb uns also nur ein Platz auf dem Asi-Acker um unser Zelt aufzuschlagen. Aber spätetens nach dem dritten Gang gewöhnt man sich an die gefühlten zwanzig Minuten zum Festivalgelände, die bei einer gefühlten Temperatur von satanischen sechshundertsechsundsechzig Grad im Schatten gar nicht so angenehm waren, wie man sie sich eh nicht vorstellt. Die Vorzüge des angrenzenden Waldstücks würden wir später an diesem Wochenende noch zu schätzen lernen. Wir suchten uns also ein lauschiges Plätzchen, bauten unser Zelt auf und schlugen diverse Kapriolen bei dem Versuch unser Bier wenigstens eine Weile halbwegs kühl zu halten: Decken drüber, unters Auto, Grube ausheben… was soll ich euch sagen: wir sind gescheitert. Ein komplettes Fässchen nahmen wir am Schluss wieder mit nach Hause, da es ab einer gewissen Temperatur einfach nicht mehr schmecken wollte. So konsumierten wir also doch das teure Gesöff, dass uns an den diversen Bierständen gereicht wurde. Sei’s drum, es hat gewirkt. So verging also der Rest des ersten Tages relativ unspektakulär. Ein wenig akklimatisieren, den Intellekt auf den des durchnittlichen Möchtegern-Wikingers einpegeln… ja, das heißt auch in unserem Falle: nach unten justieren! Die ersten Bands anhören, das Merchandising checken, über die Hitze stänkern. Von meiner Kollegin bekamen wir übrigens im Verlauf des ganzen Zirkus’ nicht viel mit, da es selten lange dauerte bis wir sie verloren hatten in der Menschenmenge… mal versehentlich und wie ich zugeben muss hier und da auch mal absichtlich (Pfui, böser Joachim!). Einzig erwähnenswert an diesem Tage ist noch die Tatsache, dass ich feststellen musste, dass man sich als Informatiker ja dermaßen viel gefallen lassen muss, dass es der Sau graust. So lagen Toby und ich des nächtens vollig platonisch nebeneinander in unserem Zelt, da bekamen wir mit, wie sich unsere Nachbarn noch bei einer gepflegten Runde Fanta-Doppelkorn unterhielten. Mal rein optisch handelte es sich um Typen, die man auch gerne mal in nem medizinischen Institut zu Forschungszwecken unterbringen könnte, wegen der undefinierbaren Hautausschläge, die Ihr Gesicht zierten. Und ähnlich wüst war eben auch ihr Geschwätz. Mir, der ich ja als die Ausgeglichenheit in persona bekannt bin, war das ja völlig Schnuppe bis… ja, bis ein Mitglied dieser Geisterbahn-Connection den entscheidenden Spruch sagte: “Informatiker sind so uncool! Mit denen kannst du echt keine Party machen.” Okay… bis hier hin und nicht weiter! In Gedanken wuchsen mir schon grüne Muskelberge und meine lilane Hose platzte, da sie der Größe ihres Inhalts nicht mehr gewachsen war… ich spreche hierbei natürlich auch von Muskelbergen. Bei den Gedanken blieb es dann leider auch. Völlig unspektakulär stieß ich ein “Halt die Fresse du Arsch!” aus um wenig später sanft ins Heavy-Metal-Traumland zu entschwinden.
Tag zwei sollte das Highlight meiner Performance darstellen. Gegen 10:30 begingen wir das Frühstück mit der ein oder anderen Eierwaffel vom Aldi. So gestärkt fühlte ich mich genötigt das Bier zu überspringen, das nun fällig gewesen wäre, und ging gleich zu den harten Sachen über. Das Duell lautete ich gegen einen Liter des übelsten Mischungsverhältnisses Wodka-Bull, das ich jeh getrunken hatte. Anfänglichen ekel überwunden und ganz schön durstig brauchte ich auch nur eine gute Stunde diese Flasche zu leeren, was nicht ganz ohne Folgen bleiben sollte. Wir wollten eigentlich grad gen Festivalgelände aufbrechen, da beschlossen Toby und ich uns noch einmal an dem Bauzaun zu erleichtern, der unweit unseres Camps stand. Wie wir so am Zaun standen und die ganze Pracht unserer Gemächte in der Hand hielten kreuzten zwei junge damen unseren Weg. Nach einem kurzen geschulten Blick auf unsere gezückten Schwerter rief eine der beiden: “Fünf und acht Punkte”… Auch wenn Ihr nun felsenfest davon ausgeht… nein, ich war nicht die acht. So nett der Anblick der Jurorin auch war (… und das war schon ne feine Deern…), dass mein Bilderbuch-Pimo nur mit dem Mittelmaß abgestraft werden sollte hielt ich für dikussionswürdig. Wir also den letzten Tropfen in die Unterhose gelassen und hinter den Mädels her. Wir ließen uns also bei dieser Gruppe von Menschen in unserem Alter nieder. Ich nahm neben der Jurorin Platz, Toby neben einem Typen, der am nächsten zum Biervorrat saß. Ich ging also mal schön in die offensive und diskutierte das Thema der Penisbewertung sowie diverse andere aus. Und weil die Gute nicht nur blond war, Beine bis zum Boden hatte und mich bestimmt um einen Kopf überragte, sondern sich auch noch als sehr nett entpuppte, gab ich schließlich alles um sie von meinen Qualitäten ober- wie unterhalb der Hüfte zu überzeugen. Währenddessen unterhielt sich Toby mit dem Bierwächter, der eine kleine Frage an ihn richtete: “Du, sag mal… Kann das sein, dass dein Kumpel meine Freundin anbaggert?” Nach einem prüfenden Blick äußerte Toby ein zustimmendes “Joa!” woraufhin die beiden ganz relaxt zwei Dosen Bier öffneten und auf Tobys acht Punkte anstießen. Ich gab in der zwischenzeit weiter Vollgas. Aber irgendwann hatte meine Gesprächsparnerin einen kurzen, lichten Moment, in dem sie zu mir meinte: “Du, eigentlich hass ich so Typen, die nur zum Vögeln auf so ein Festival kommen…”. Doch ich erwiderte nur völlig gelassen: “Wie?!? Hier gibt’s auch Musik?!?”. Von da an lief es leider nicht mehr so rund und Toby und ich mussten das Gelände dann doch räumen. Also beschlossen wir nun doch endlich die tatsächlich vorhandenen Bands aufzusuchen.
Kaum auf dem Festivalgelände angelangt… hatte ich Toby auch schon verloren. In meinem besupfnen Schädel hätte mir aber nichts egaler sein können. Da gerade Amon Amarth spielten gesellte ich mich zum restlichen Publikum und hörte der Band zu. Dort lernte ich dann auch zwei nette junge Männer kennen, die mir etwas aus Ihrem einskommafünf-Liter-Tetrapak anboten. Ich schaute auf die Verpackung und dachte mir: “Mmh, loecker… Apfelsaft.” Das dieser in nicht unerheblichem Maße mit Wodka versetzt war bemerkte ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr und nahm einige große Schlucke. So dauerte es auch nicht lange, bis ich in einer der ersten Reihen stand und aus dem Kopfnicken ein ausgewachsenes Headbangen wurde. Außerdem legte ich mich mit dem Wasserwerfer an, der eigtl. zur erfrischung des Publikums gedacht war, als würde ihn ein SEK-Beamter bedienen und ich dem Schwarzen Block angehören. Dieses Hoch hielt dann eine Weile an und nicht all zu viel später entdeckte ich auch Toby wieder. Gemeinsam schlichen wir irgendwann wieder gen Zeltplatz… wo ich mir einen Liter Multivitaminsaft einverleibte, um ihn stante pede wieder von mir zu geben. Nunj war es Spätnachmittag und ich soweit ins Bett zu gehen. Wie ich das dann tat hörte ich dann leider auch die ersten Klänge von Children of Bodom… der Kapelle, wegen der ich eigentlich auf dieses Festival gekommen bin. Nennt mich Timing!
Wirkich spektakuläres passierte am darauffolgenden Tag nicht mehr. Als einziges Highlight sei noch der Kollege erwähnt, den wir im Wald trafen. Da diese transportablen Dixi-Klos völlig unter unserer Würde waren, zogen wir es vor in ein nahegelegenes Waldstück auszuweichen um unsere Notdurft zu verrichten. Wie wir so in das Wäldchen reinlaufen, nehmen wir eine Person zur Kenntnis, die an einem Stapel Baumstämme hockt. da wir für unsere Diskretion bekannt sind bemühten wir uns in die andere Richtung zu schauen. Doch plötzlich dreht der Herr auf dem Donnerbalken sich um um uns zu grüßen. Ich wusste, dass man sich als Busfahrer grüßt, wenn man sich unterwegs begegnet, aber dass man andere Waldscheißer begrüßt, wenn man mit der Hose in der Kniekehle ins Gehölz kackt, das war mir neu… aber so begab es sich, dass wir in der freien Natur nen Bob in die Bahn werfen konnten um so erleichtert den Rest des Festivals zu genießen.
Das war es dann auch schon wieder. Und so schließe ich mit der Überlegung ob man mit knapp dreißig Jahren noch auf Festivals gehen sollte, wo sich hauptsächlich achtzehn bis zwanzigjährige rumtreiben… und ob man sich dann wie genau diese aufführen sollte.
In diesem Sinne…
Euer Joachim
Schönen guten Tag liebe Freunde der unterhaltsamen Schmalkost,
Es ist der Beginn einer neuen Ära… Ich habe es nach hartem Kampf - mit mir, meinen Moralvorstellungen, meinem Chef und meinem Projektleiter - endlich geschafft: Der erste Tag Urlaub, den ich seit Beginn meines Full-Time-Arbeitslebens im Juni 2008 habe… zugegeben, der begann erst heute Nachmittag um fünfzehn-dreißig mitteleuropäischer Sommerzeit und ich pfeife mir in ungesunder Lautstärke die selbe Mucke rein, wie ich es jetzt im Büro täte, aber trotzdem für mich schon völliger Freizeit-Overkill. So richtig kann ich es wahrscheinlich erst glauben, wenn ich morgen früh bei meiner Mutti in Bremen aufwache und feststelle, dass es erstens später als vier Uhr ist und ich zweitens mich einfach umdrehen und weiterschlafen kann ohne Statements wie “…demnächst hagelts Abmahnungen!” um die Ohren geblasen zu kriegen. So wird dann auch dieses flaue Gefühl im Magen sich einen neuen Besitzer suchen müssen, dass mir mittlerweile jeden Morgen signalisiert hat: “Alter… den Job willst du nicht länger machen”.
Für alle, die sich jetzt wundern… nein, auch wenn es so klingt, ich arbeite nicht bei der Müllabfuhr. Die haben geregeltere Arbeitszeiten als ich. Aber wenn man als halbgarer Wirtschaftsinformatiker sein Diplom macht um dann als Software-Entwickler auf Sparflamme zu arbeiten (…wobei die Sparflamme sich auf die Fähigkeiten beziehen, nicht die Hingabe, mit der man zu Werke geht…), dann muss man eben auch mal hier und da die mangelnde Qualifikation durch die ein oder andere Überstunde wett machen. Und wenn man Joachim heißt, von Grund auf Perfektionist ist und völlig unfähig halb fertige Arbeit ruhigen Gewissens um siebzehn Uhr auch einfach mal liegen zu lassen, dann sind das auch ein paar Stunden länger. Erwähnt seien hier dieses Wochenende im Januar, an dem ich mich um fünf Uhr morgens schön auf das im Büroflur situierte Sofa gebettet habe, um am Samstag Morgen frisch und erholt weiterzuarbeiten, und der Mittwochdonnerstag vergangener Woche, der am Mittwoch um sieben Uhr morgens begann um am Donnerstag gegen siebzehn-dreißig zu enden… damit ich nach kurzer Pause und sieben Stunden Schlaf um drei Uhr nachts wieder aufstehen konnte um meiner Tätigkeit nachzugehen. Natürlich sind dies die Extrembeispiele, aber trotzdem haben einige Aspekte des sozialen Lebens in den letzten Monaten sehr gelitten.
Aber nicht mehr mit mir… die nächsten Tage werde ich erstmal im Schoße der Familie verbringen, wo ich hoffe wieder ein Stück weit resozialisiert zu werden, um dann in der Obhut meiner Freunde jegliche Sozialverträglichkeit wieder über Bord werfen zu können. Hach wie schön war die Zeit…
[Es vergeht eine gute viertel Stunde verträumten in die Luft Schauens, eine einsame Träne der Nostalgie wandert südwarts auf meiner linken Wange... außerdem trielt ein Schweißtropfen gerade in mein Maurerdekolleté, aber das war jetzt wahrscheinlich ein wenig zu viel Information.]
Und um die Stimmung wieder in etwas luftigere Gefilde zu treiben gibt’s auch gleich noch eine Anekdote aus besseren Tagen…
Da war zum Beispiel dieser eine Abend… An diesem beschlossen Tanzflächen-Toby und ich unseren Wirkungsradius mal wieder etwas zu erweitern. Also zogen wir aus, um in Reute bei Bad Waldsee einem Fest in der örtlichen Mehrzweckhalle beizuwohnen. Ganz feine Idee: Kein Mensch anwesend, den man kennt, was bedeutet, dass man sich gepflegt zum Hirsch machen kann, ohne das die nächsten zwei Jahre nachgetragen zu bekommen. Also war die Mission klar. Voller Tatendrang schütteten wir uns also die ersten paar Biers rein um auf Betriebstemperatur zu kommen. Routine also. Es dauerte auch gar nicht so lange bis wir mit der adretten Barfrau ins Gespräch kamen. Nachdem in der Gegend offensichtlich nicht gar soooo viele Mütter das Glück haben, schöne Töchter aus ihren Leibern zu pressen, für die sich der Stress dann auch gelohnt hätte, widmeten wir uns fortan eher unserer Performance auf der Tanzfläche zu den Klängen der überregional bekannten Cover-Rock-Band FACE . Unvermeidlich war dann ja auch der hochfrequente Gang zum Bierstand, wo die Bardame unseres Vertrauens mit nicht nachlassender Hingabe ihrer Arbeit nachkam, uns mit Alkohol zu versorgen. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem wir völlig hemmungslos zum Angriff auf ihre Gefühlswelt übergingen. Nach kurzem Hin und Her erlangten wir davon Kenntnis, dass die junge Frau bereits verheiratet war. Andere hätte das ins Bockshorn gejagt… wir fühlten uns dazu berufen, ihr einen Heiratsantrag zu machen.. im Doppelpack… wenn sie sich doch nur vom anderen Typen scheiden ließe. Der gewiefte Leser ahnt es bereits: Die beiden sind vermutlich noch heute verheiratet und Toby und meine Wenigkeit mussten unseren Kummer ertänken.
Ein paar Biers später fanden wir uns dann am Rande der Tanzfläche -Slash- des eingezeichneen Volleyballfeldes wieder. Pünktlich, um die ersten Takte von Dirty Dancing’s “I’ve had the time of my life” mitzukriegen (… mal ehrlich: es weiß doch kein Mensch, von wem der Song wirklich ist, oder?). Da machte der begnadete Frontmann der Kapelle, Tom Croël, die verheerende Ansage: “… und jetzt nimmt mal jeder seinen Schatz in den Arm.” Da fiel sein Blick auf Toby und mich, die wir offensichtlich grad die beiden einzigen waren, die noch keine Ische in unseren muskulösen Armen hatten. “Na Jungs, da hinten sind doch zwei ganz Hübsche.” Wir schauten die Mädels an, die in der Tat extrem fesch waren, sahen wieder zur Bühne hoch und unser Gesichtsausdruck verriet uns: “Ah, ihr habts schon probiert.” … ertappt. Welcher Satan uns in diesem Moment auch immer geritten hat… wir legten unsere Arme umeinander um die Situation zu retten und ernteten ein mitleidiges “Och Jungs, bitte…” von Croëls Tom. Alles klar…so demontiert würden wir da keinen Blumentopf mehr gewinnen. Wir also wieder den Bierstand erleichtert und siehe da: Innerhalb kürzester Zeit war unser Ego wieder so groß wie das World Trade Center bevor Mohammed Atta zur Arbeit geflogen war.
Mit steigendem Pegel und fortschreitender Stunde sinken ja bekantlich auch die Ansprüche, weshalb wir nun unsere Zielgruppe auf die sogenannten Last-Minute-Chicks verlagerten (… böse Zungen würden vom “Restef*cken” sprechen, wozu aber per definitionem der Vollzug des Coitus gehört… und dass es keinen Selbigen mehr gab kann ich wohl vorweg nehmen ohne jemandem die Spannung zu versauen). Wie dem auch sei, ich kam also mit einer der eher unterklassigen jungen Damen ins Gespräch. Lief auch ganz gut… sie fand mich nett, ich fand sie… ähm… okay, es war mir scheißegal, ich wollte sie bumsen. Von hier an war ich wie ausgewechselt. Ich war eine Aufreiß-Maschine ohne jede Gnade. Nach kurzer Zeit kam da so ein anderer Typ und versucht doch echt mir die Schau zu stehlen. Das habe ich mir natürlich nicht lange angeschaut. Also habe ich einen Blick auf den Typen geworfen und mir war klar, was ich zu tun hatte. Ich drückte ihm also einen Fünfer in die Hand und meinte: “Junge, verschwind an die Bar und trink einen auf mich.” Seine Augen leuchteten wie bei einem Halbwüchsigen am Weihnachtsabend, er warf noch einen Blick auf das Mädel, dann auf den Fünfer in seiner Hand… und weg war er. Eins zu null für mich.
Unsere Unterhaltung ging also ungestört weiter. Sie stellte noch die Frage, wo wir eigentlich herkämen, worauf ich ihr erklärte, dass wir aus Ulm sind. Sie war mir quasi komplett verfallen, denn so Kultivierte wie wir verirren sich offensichtlich nicht so oft in diese sehr ländlichen Gefilde. Dann fragte ich sie, ob sie hier aus Reute sei. Sie bejahte und deutete in irgendeine Richtung: “Ich wohn so fünfzig Meter in der Richtung. Wo schlaft ihr heute Nacht eigentlich?” Meine Antwort war subtil und an Feinfühligkeit kaum zu überbieten: “Wenn’s gut läuft so fünfzig Meter in der Richtung.” Und ich deutete in die selbe Richtung, in die sie kurz vorher zeigte. Sie kuckte kurz etwas irritiert, aber sie nahm nicht Reißaus… Ich klopfte mir innerlich auf die Schulter. Wie die Unterhaltung so weiterging verlagerte ich Stück für Stück unsere Position ein wenig mehr in Richtung der offenstehenden Tür. Das blieb ihr offensichtlich nicht verborgen, denn sie meinte: “Du, ich merk frei schon, dass wir immer näher am Ausgang sind.” Und nun kam mein Statement des Abends… praktisch das Wort zum Sonntag und der Hans Meiser unter den Anmach-Sprüchen: “Ich hab auch nen Viertürer… da kommen wir bequem auf die Rückbank!” Yeah… wie kann ein einzelner Typ nur so geil sein?!?
Nun ja, sie hat das wohl etwas anders gesehen, denn plötzlich fing sie an von Ihrem Freund zu erzählen. Freund?!? war bisher nicht die Rede von. Aber mein Gott Walter… nichts was mir egaler wäre. Lief dann aber erstmal nicht mehr so gut. Sie holte ihren Macker her, der auch mitplaudern wollte, was ich aber gar nicht so gut fand. Guter Wingman, wie der Toby war, verwickelte er ihn dann in ein Gespräch, dass ich mich weiterhin alleine der jungen Dame widmen konnte. Sie konnte meiner Argumentationskette allerdings nicht so ganz folgen. Auf die Frage, warum sie mit mir Dinge tun sollte, sie habe doch einen Freund, erwiderte ich: “Ja und? Der zählt Schrauben bei Hymer!” Wieder ein Tor für mich… leider ein Eigentor wie sich rausstellen sollte. Der besagte Freund kam irgendwann wieder um unsere traute Zweisamkeit jäh zu unterbrechen. Nun gut… der Abend war also gelaufen. Ich wollte mich ins Auto legen um ein paar Stunden zu schlafen. Was fehlte also noch? Rischdiiisch! Ein Gute-Nacht-Kuss. Ich beschloss also den von eben jener jungen Dame mit Freund zu bekommen. Der Zeitpunkt schien nicht der beste, denn ihr Freund hatte sie im Arm und sie ihren Kopf auf seiner Schulter geparkt. Aber ich bin ja als Draufgänger bekannt… oder völlig daneben… wie man’s nimmt. Wie ich ihr so gute Nacht sagte und aktiv versuchte den besagten Kuss einzufordern kuckte sie dann auch nur noch recht schockiert, holte aus und schoss mir eine Ohrfeige, die man wahrscheinlich in der ganzen Halle gehört hat. Wow… hat wohl nicht sooo gut funktioniert. Da der minderbemittelte Freund leider auch Freunde in dieser Halle hatte, und zwar mehr als ich (scheiß Auswärtsspiele!), sagte ich zu Toby, dass es jetzt besser für mich sei zu gehen. So verließ ich also die Halle und ein denkwürdiger Abend ging zu Ende. Mal wieder nicht sonderlich erfolgreich, aber im Nachhinein sehr lustig… meint ihr nicht?
Ein guter Rat zum Schluss… ach, da fällt mir grad nichts Passendes ein, denn ich würde wahrscheinlich alles wieder genau so machen… ja ALLES. Ansonsten bleibt mir gewogen und freut euch künftig wieder auf mehr guten Stoff aus meinem Leben.
In diesem Sinne…
Euer Joachim