Wehrte Gemeinde…
Ich heiße Euch willkommen zu einer neuen Runde “Das Leben hat mich nicht gefragt”. Es wurde ja auch mal wieder höchste Zeit. Und aufgrund eklatanten Mangels an einschneidenden Ereignissen werde ich einfach mal einen Rundumschlag tätigen um alle kleinen Dinge, die mein Leben so versüßen, abzudecken. Darum lasset uns auch gar nicht lange um den heißen Brei herum reden.
Wo soll ich anfangen… ich weiß. Am vergangenen Dienstag bestieg ich mal wieder einen Zug… also zumindest stieg ich ein um damit zu fahren. Ich musste nämlich mal wieder aus der alten Heimat Bremen nach Ulm gondeln. Und wer mich kennt weiß, wie ich das Zug fahren liebe. Die Mitfahrer sind meiner Ansicht nach das Salz in der Suppe, die sich Bahnfahrt nennt. Und lasst Euch sagen: Davon gab es einige! So zum Beispiel den dicken Chinesen, der mir von Fahrtbeginn an Gesellschaft leistete. Ich behaupte einfach mal, dass er Chinese war. Er könnte auch Japaner, Polynese oder irgendein anderes südostasiatisches Gewächs gewesen sein, was mir an dieser Stelle einfach mal völlig egal ist. Beschwerden über mangelnde political correctness bitte als Kommentare posten. Egal… weiter im Text. Da saß er also, der Chinese. Er wirkte schon vor Fahrtbeginn ein wenig müde. Was bei den Kollegen wegen der kleinen Augen aber ja schwierig zu beurteilen ist. Kaum waren wir abgefahren, wurde jedenfalls mein Gegenüber vom sanften Schaukeln des Waggons in den Schlaf gewiegt (…gewogen?). Da man in diesem Zustand bekanntlich die Herrschaft über diverse Körperfunktionen verliert, öffnete sich sein Mund und ein leises Schnorcheln war zu verehmen. Ich dachte mir: “Nuja… das geht ja noch.” Kaum fertig gedacht fing er aber an zu schnarchen, dass die männliche Saftschubse mir schier ein Tablett mit randvollen Kaffeebechern in den Schoß schmiss. Wahrscheinlich fiel dem guten Jungen gerade noch rechtzeitig ein, dass bei den horrenden Preisen, die die Bahn für ihren Kaffee haben will, er einen Monat umsonst arbeiten müsste um den Schaden zu ersetzen… von meiner Schmerzensgeldklage, wenn er mir die Klöten verbrüht hätte ganz zu schweigen. Wenig später bat ich den Zugbegleiter dann ein Sauerstoffzelt aufzustellen, denn in unregelmäßigen Abständen gab der Chinamann doch Laute von sich, die an ein seltenes Tier erinnerten, dass qualvoll verendet. So ging das dann ca. eine Stunde, denn glücklicherweise stieg der gute Mann in Hannover schon wieder aus.
Mit einiger Verspätung in Augsburg angekommen warf ich einen Blick auf die Uhr. Bis zur Abfahrt meines Anschlusszuges war es noch eine Viertelstunde. Ich also erstmal den Subway am Bahnhof geentert um Geld in einem Sandwich und einem dieser anbetungswürdigen Keksen anzulegen… äußerst gewinnbringend wie sich herausstellte. Ich verließ also frisch gestärkt den Subway und strebte durch die Bahnhofshalle zu meinem Gleis. Aus dem Nichts trat plötzlich eine junge Frau an mich heran. Sie war von atemberaubender Schönheit und Ihr Lächeln ließ in meinem Herzen die Sonne aufgehen. Da sprach Sie mich an: “Hast Du eine Minute Zeit für den Tierschutz?” Ich dachte nur: “Ich wünschte ich hätte, denn dann würd ich gerne deinen Bären kraulen.” Aber leider musste ich Ihr Anliegen verneinen, denn mein Zug stand schon am Gleis und war bereit abzufahren.
Ich stieg also ein und schaute noch einige Kilometer sehnsüchtig aus dem Fenster während der Zug mich gen Ulm beförderte. Nun ja… bald hatte ich auch einen Sitzplatz gefunden und es mir wieder gemütlich gemacht. Nach dem frühen Aufstehen und den Strapazen des “700-km-nur-Pampa-sehen-wenn-ich-aus-dem-Fenster-kuck” wollte ich eigentlich nur eine Runde schlafen… doch die Bahn gönnt einem sowas ja überhaupt nicht. Kaum war ich am Wegdösen, da ertönte auch schon ein freundliches aber bestimmtes “Guten Tag! Die Fahrscheine bitte…” durch den Waggon. Ich also mein Wahnsinns-selbstausgedrucktes- Online-Ticket ausgepackt und parat gehalten. Dann kam Sie zu mir… die Zugbegleiterin… schätzungsweise 20 Jahre alt und noch nicht ganz trocken hinter den Ohren , extrem unscheinbar, kurze Haare, die dafür sorgten, dass man Sie leicht mit einem männlichen Geschöpf verwechseln konnte (…okay, das Fehlen jeglicher Brust hat wohl auch seinen Beitrag geleistet…). Sie kuckte mein Ticket an und Ihre Miene stellte eine Ratlosigkeit zur Schau, wie ich sie selten sah. “Das ist ein Ticket für eine einfache Fahrt.” Darauf ich: “Richtig.” “Von Bremen nach Ulm.” Ich: “Genau.”… Sie verstand die Welt nicht mehr und war am über legen wie Sie mir jetzt erklärt, dass sie meinen Knackarsch vor die Zugtür setzt. Da übernahm ich die Initiative und sagte ihr, dass ich von Bremen über Augsburg nach Ulm fahre (…nicht, dass das nicht aus dem Ticket hervorgegangen wäre…). Sie - die Situation langsam durchschauend - meinte, dass ich mit meinem Sparfux-Ticket aber an die Züge gebunden bin, die da drauf stehen. Langsam Diskussionslaune entwickelnd, holte ich etwas weiter aus, brachte Ihr bei, die Uhr zu lesen, erzählte von einem technischen Defekt, der daraus resultierenden Verspätung und den nicht erreichten Anschlusszügen. Gerade wollte ich Ihr das mit den Blümchen und Bienchen näherbringen, da begriff sie langsam, dass ich die besseren Argumente hatte. Aber da holte sie ihre Geheimwaffe raus: “Dann hätten Sie aber einen Nahverkehrszug nehmen müssen.” Doch auch hierfür hatte ich nur ein mitleidiges Lächeln übrig und meinte: “Das ist mir eigentlich völlig egal. Ein Mann in blauer Schürze, mit lustigem rotem Hut und Trillerpfeife sagte, ich soll diesen Zug nehmen. Und nur weil Ihr komischer Verein nicht in der Lage ist Fahrpläne auch nur annähernd einzuhalten, steh ich nicht noch eine Stunde am Augsburger Bahnhof und spiel an mir selber rum oder such die Socke, die der Korbi nach ner Sauftour hier am Bahnhof mal hat liegen lassen.” (…Dramatisierungen sind ein legitimes Stilmittel - Anm. d. Autors) Völlig verstört murmelte die kleine noch ein “Passt schon.” und sah zu, dass sie Land gewann. Bis dahin waren wir dann auch fast in Ulm.
Der Rest der Reise verlief dann komplett ereignislos. Ich kam zuhause an und wunderte mich, wie sehr so eine Kellerwohnung doch abkühlen kann, wenn man 10 Tage die Heizung ausschaltet. Donnerwetter! Den restlichen Tag verbrachte ich also bekleidet mit T-Shirt, Longsleeve, Pulli, Sweatjacke, nem Wollpulli und gefühlten 42 Paar Socken in meiner Bude a.k.a. “The Fridge”. Den großen Teil dieses Ensembles musste ich dann auch über Nacht tragen, um sicherzustellen, dass ich am nächsten morgen auch wieder aufwache. Und um sicherzustellen, dass ich morgen nicht allzu spät aufwache, werd ich jetzt in die Heia gehen… sparsamer bekeidet natürlich.
Vorher pfeif ich mir aber noch lustige Antibiotika rein, die der Doc mir heut morgen gegen meine akute Bronchitis, die klingt wie 20 Jahre Kettenrauchen, verschrieben hat.
In diesem Sinne. Appell an Euch: Meidet die Deutsche Bahn! Wenn sie Euch über den Weg läuft, dann versteckt Euch. Wenn Sie vom Himmel fällt, springt unter ein Vordach. Wenn Sie Euch anspricht, dreht Euch um und geht. Lasst nicht zu, dass sie Euch ins Unglück stürzt! Appell an unsere Politiker: Scheiß auf den Klimawandel! Billigflugstrecken ausbauen und Kerosin noch günstiger machen… Nur so können wir diesen Satan, der sich mit den Buchtaben DB schmückt wirklich von der Landkarte tilgen… soviel dazu. Ich wünsche Euch alles Gute und noch eine schöne Restwoche…
– Euer Joachim
Hallo Freunde…
Wie Ihr vielleicht gemerkt habt: Es gab lange keine Neuigkeiten in Euer aller Lieblingsblog. Könnte daran liegen, dass mein Leben grad so langweilig ist wie selten zuvor. Keine Wochenendexzesse, bei denen man sich zum Affen macht, Gags über Vogelgrippe sind echt nicht mein Stil und studientechnisch sieht es gerade auch eher armselig aus. Nichts über das man sich so richtig schön lustig machen könnte. Da werd ich ja ganz nostalgisch und sehne mich zurück in bessere Tage. Da denk ich zum Beispiel an meinen Kurztrip nach Schweden im April diesen Jahres. Für alle nicht-Eingeweihten: Mein guter Freund Toby und ich, wir machten uns auf, unseren ebenso guten Freund Jochen, der ein Auslandssemester seines Lehramtsstudiums in Stockholm verbrachte, eben dort zu besuchen. Aufgrund der mangelnden Freizeit wegen meines Praktikums beschränkte sich unser Aufenthalt dort auf vier Tage. Im Nachhinein war das wohl besser so, denn der Spaß hat mich um ein knappes Monatsgehalt gebracht! Meine Erinnerungen an dieses Abenteuer möchte ich an dieser Stelle mit Euch, meinen treuen Lesern und Fans, teilen. Ich wünsche Euch viel Spaß mit meinem kleinen Schwedentagebuch.
Tag 1
Endlich war es soweit. Die letzten Tage und Wochen waren geprägt von ähnlicher Vorfreude wie kleine Kinder Sie an Heiligabend vor der Bescherung verspüren. Was würde uns erwarten? Sind wirklich alle Schwedinnen Bikinimodels? Fliegen einem die Köttbullar wirklich in den Mund? Bumsen die Schweden wirklich Elche? Alles Fragen, die Klärung bedurften. Und wir waren bereit diese Mission auf uns zu nehmen.
Pünktlich um 3 Uhr nachts stand Toby also vor meiner Türe… und musste sich gedulden, da ich natürlich - wie immer - noch nicht startklar war. Nach geringfügiger Verzögerung starteten wir also gen Frankfurt-Hahn, von dem wir feststellen mussten, dass es wirklich soviel mit Frankfurt zu tun hat, wie Jochen mit musikalischem Talent (Auf diese Thematik, oder nennen wir es lieber Problem, wird hier nicht näher eingegangen aus Rücksicht auf Jochens Gefühlswelt). Überpünktlich waren wir also am Flughafen und holten uns die Bordkarten. Ein kurzer Blick auf die Uhr – es war ca. halb acht - sagte uns, dass wir noch gut zwei Stunden bis zum Take off hatten. Was also tun mit dem angebrochenen Morgen? Aber da kam uns schon die rettende Idee. Wir enterten die örtliche Flughafenkneipe und sagten unseren beiden Freunden aus Warstein guten Morgen. Und weil’s so schön war orderten wir auch gleich die zweite Runde. Nachdem langsam ein wohlig warmes Gefühl in uns aufstieg fühlten wir uns bereit das Flugzeug zu betreten. Durch göttliche Fügung fanden wir Abenteurer uns auch noch auf den einzigen Plätzen wieder, über denen eine Speisen- und Getränkekarte die Decke zierte. Das, natürlich sofort als Wink des Himmels verstanden, lies uns, kaum dass wir in der Luft waren, die nächsten Biers bei der Saftschubse bestellen. Ausreichend gestärkt waren wir jetzt in der Lage die Zeit bis zum Aufschlag mit einem Nickerchen zu überbrücken, denn zugegebenermaßen hatten wir beide nach diesen drei Bier schon ein bisschen einen Zapfen.
Eine halbe Stunde vor dem Zeitplan erreichten wir also Stockholm-Skavsta, das mit Stockholm ungefähr soviel zu tun hat wie… aber das kennt Ihr ja. Also ab in den Bus und gen Downtown Stockholm aufgebrochen, wo Jochen uns in Empfang nahm… Okay, wir mussten eine viertel Stunde auf ihn warten, da sein unregelmäßiger Stuhlgang der Einhaltung seines Zeitplans in die Quere kam, aber schlussendlich brachte er uns wohlbehalten in diese Wohnwelt in KZ-Optik, die das örtliche Studentenwohnheim darstellen sollte. Als die „Wer-schläft-wo“-Problematik vom Tisch war, fielen Toby und ich, erschöpft vom vielen Nichtstun ersteinmal ins Bett und machten Bubu, damit wir am Abend aber auch wirklich 150% unserer Kraftreserven abrufen konnten. Doch bevor es soweit war beglückte Jochen uns noch mit einem Wahnsinns-Abendessen. Die Köttbullar (sprich: Schöttbüllar), die er uns kredenzte sollten im weiteren Verlauf des Abends noch eine wichtige Rolle spielen. Aber darauf gehe ich zu gegebener Zeit näher ein. Wie auch immer: Ausgeschlafen, vollgefressen… kann es noch besser werden? Ja, es kann. Wir uns in unseren besten Zwirn geschmissen und nach kurzer Vorglühphase in der Gemeinschaftsküche des Wohnheims, die Wodka-O-Flasche im Anschlag gen Fest gestartet. Und siehe da… Schwedens Frauen… Wahnsinn! Die sind tatsächlich alle Bikinimodels. Frage eins… geklärt!
Nach kurzem Gastspiel in einer Institution, die wohl Stockholms PH war, beschlossen wir die Location zu switchen (…man beachte die szenige Ausdrucksweise!). Anders als man es aus Weingarten kennt, war das PH-Fest eher mau, allerdings lohnte sich der Besuch hier alleine deshalb, weil es lecker Newcastle Ale zu trinken gab und wir eine Ikone des Stockholmer Nachtlebens kennenlernen durften: Per. Oder wie wir ihn fortan nur noch nannten: HJ-Per. Einen geileren Scheitel trug wirklich nur seinerzeit der Führer selbst. Doch entgegen meinem ersten Eindruck entpuppte Per sich wirklich als echtes Party Animal. Wir also unseren neuen Freund HJ-Per unter den Arm genommen und die nächste Shuttlebushaltestelle aufgesucht um diesem Elend endlich ein Ende zu machen. Und es sah vielversprechend aus. Die Schweden schienen ein echt lustiges Völkchen zu sein. Tragen komische Klamotten, verschenken pures Ethanol in Reagenzgläsern (…ein vertrauenerweckender Junger Mann in einem orangenen Overall versicherte uns, dass wir es beruhigt trinken könnten ohne zu erblinden…), und singen uns zu Ehren „Mein Hut der hat drei Ecken“… schönes Ding!
Auf dem nächsten Fest angekommen stellte sich allerdings heraus, dass der Schwede an sich eher seltsam ist: Im Bus rockt er, dass alles zu spät ist, auf der Party hält er mit der Stimmung dann doch eher hinter dem Berg. Aber sei es drum…. wir können auch ohne Schweden Spaß haben. Und ich tat mein Bestes, dies zu bewerkstelligen. Der Anblick der vorhandenen Karaoke-Anlage ließ mir natürlich sofort die Handflächen schweißnass werden und ich beschloss nach Genuss einiger Birnen-Cider einen Song darzubieten. Wie ich so verträumt in das Gesangbuch stierte, fühlte ich ein kleines, warmes Rinnsal in mein Maurerdekolleté hinein- und meine Analfalte hinunterplätschern und dachte nur… Okay, ich habe nichts gedacht. Aber wie mir meine Jungs am nächsten morgen eröffneten fühlte unser aller Liebling Jochen sich genötigt, mir seinen Cider am falschen Körperende einzuflößen. Was dann auch erklärte, warum meine Hose am nächsten morgen roch wie ein Obstsalat. So präpariert und von Toby angestachelt „I swear“ zu singen betrat ich also die Bretter, die die Welt bedeuten. Und ich gab alles. Die Frauen lagen mir zu Füßen und auch die Männer – allen voran der Jochen – entwickelten homoerotische Neigungen. Als dann auch noch eine niedliche Schwedin vor der Bühne stand und mich ansang lief ich zu hochform auf, fiel vor Ihr auf mein Knie und sang nur noch für sie. Ich sah in Ihr schon mein erstes Groupie, was sich dann allerdings wieder zerschlug, als sie die Augen von mir abwandte und Ihrem Freund die Zunge in den Hals schob. „So what?“ dachte ich und beendete meine Performanz mehr als souverän. Als Belohnung erwartete mein Jochen mich dann an der Bar mit einem White Russian und einem Beutelchen Snus. (Für alle Unwissenden: Snus ist eine Art Tabak mit Salzen versetzt und in kleinen Beutelchen abgepackt, die man einfach ein bisschen zwischen Zahnfleich und Oberlippe rubbelt, damit das Nikotin zügig ins Blut geht. Da mein Nikotinkonsum sonst gleich null ist, hat das Zeug auf mich zartes Pflänzchen natürlich eine Wirkung wie eine Kombination aus LSD und Klosterfrau Melissengeist. Weitere Details hier.) Ich mir also beides postwendend eingebaut, was darin resultierte, dass mein Auge laut Tobys Aussage hervortrat und ich von da an out-of-contest war. Und hier ist auch ungefähr, wo meine Erinnerung mich im Stich lässt. Ich weiß gerade noch, dass beim Warten auf den nächsten Shuttlebus einer der neugewonnenen schwedischen Freunde feststellte, dass es gut ist, dass wir aus Westdeutschland kommen, da die Ossis ja die „Zigeuner Deutschlands“ sind. Womit er natürlich bei uns dreien offene Türen einrannte.
Dann wird es dunkel in meiner Erinnerung. Dementsprechend konnte ich mich auch leider nicht mehr daran ergötzen, das Toby auf der nächsten Party in vollkommener geistiger Umnachtung einen Stuhl auf die Tanzfläche stellte um es sich dort etwas gemütlich zu machen. Als er seinen dicken Hintern jedoch darauf parken wollte, kam ein zuvorkommender Schwede allerdings auf den Trichter, dass ein Stuhl auf einer Tanzfläche nichts zu suchen hat und ihn entfernte. Was mit einer nicht unerheblichen Masse, wie sie Tobys Körper darstellt passiert, wenn die Schwerkraft zuschlägt, können wir uns denke ich alle vorstellen…
Nachdem der ganze Zauber vorbei war, nahmen wir die nächste U-Bahn gen Wohnheim. Das nehm ich zumindest mal an, da wir ja am nächsten morgen dort waren. Was mich etwas beunruhigte war die Tatsache, dass ich auf dem Sofa in der Küche aufwachte, als der erste Inder dieselbe am nächsten Morgen gegen 7 Uhr betrat. Ich stand also auf und setzte meinen Schönheitsschlaf in Jochens Zimmer fort. Dort eröffnete man mir auch, was in dieser schicksalshaften Nacht noch so passierte: Zunächst gab uns Jackass-Jochen eine Kostprobe seines Könnens indem er sich die mit metallenen Widerhaken bestückte Schräge neben der Rolltreppe der U-Bahn-Station hinunterstürzte. Es machte mich schon stutzig, dass er am nächsten Morgen aufstand mit den Worten „Mein Arsch tut mir weh!“ Er offenbarte uns dann aber auch den Grund: Eine Schürfwunde mit nem knappen Meter Durchmesser und drumrum ein blauer Fleck, der in allen Farben des Regenbogens schimmerte. Von diesem Stunt sollte er dann auch die nächsten Tage noch zehren, da die Schmerzen nicht lachlassen wollten. Was mich persönlich allerdings betroffener machte war folgendes: Die Herren Toby und Jochen pfiffen sich des Nächtens noch die restlichen Köttbullar und Nudeln rein und beschlossen, dass ich, der ich inzwischen auf dem Sofa eingeschlafen war, mich eigentlich als modernes Kunstwerk gut machen würde. Gesagt getan: Ich wurde also mit Nudeln und Elchklöten dekoriert von oben bis unten und die ganze Aktion säuberlich mit der Digicam dokumentiert. Die Bilder werden hier früher oder später als Desktophintergrund zum Download stehen, oder bei eDonkey & Co. in der Fetischabteilung zu finden sein. Frage zwei auch geklärt: Köttbullar fliegen einem nicht in den Mund, aber bis zum Bauchnabel schaffen sie’s! Das war er also. Unser erster Tag im Land der Elchbumser… und noch drei vor uns. Au weia!
Tag 2
Nachdem der Vortag aufgearbeitet war und ich langsam realisierte, dass ich im Alk-Wahn mein U-Bahnticket irgendwo weggefeuert hatte, auf dem noch knapp zehn Fahrten gut waren, zauberte Jochen, der aufgehende Stern am Michelin-Himmel, uns ein solides Frühstück bestehend aus Pfannekuchen und Ahornsirup… jammie! So gestärkt machten wir uns auf den Weg die Innenstadt etwas zu erkunden. Vom Vorabend noch völlig benebelt und mit kleinem Unwohlgefühl in der Magengegend führte Jochen - der wohl langsam als Touri-Guide in Stockholm anfangen kann, da er diese Tour wohl schon dutzende Male hinter sich gebracht hat und dies auch so ein bisschen raushängen ließ - uns von Souvenirshop zu Souvenirshop, vom Palast zum Rathaus, von der Kirche zur Schleuse, von „Günther’s“ Klamottenladen zum Rentierimbiss. Der Wahnsinn, was die Schweden sich so alles einfallen lassen. Die obligatorische Fotosession von der Aussichtsbrücke war dann auch nicht mehr abzuwenden… Gott wie ich Touris hasse! Die nächsten drei bis zehn Stunden verliefen eher unspektakulär, da unsere Reiseführer es vorzog mit seiner Ische zu telefonieren… und es wollte einfach kein Ende nehmen. Nach geraumer Zeit und als er schon Wundmale am Telefonohr aufwies, fiel ihm dann ein, dass Toby und ich ja am Tag zuvor angekommen waren und auch noch irgendwo rumlungern müssten. Auf der nächsten Parkbank wurde er dann fündig und wir konnten unsere Exkursion fortsetzen. Mittlerweile schon recht hungrig beschlossen wir den Heimweg anzutreten.
Nachdem wir Jochen solange in den Hintern getreten hatten, bis er eben diesen doch noch außer Haus bewegte, verlief der Restabend recht analog zum Vorherigen. Erst lecker essen, dann einen picheln und dann…Party hard! Und heute wollten wir bouncen, wie wir nie zuvor gebouncet hatten… und wir bekamen Verstärkung: HJ-Per gab sich die Ehre, wohnte unserem Vorglühen bei und führte uns… auf ein Tina Turner Konzert! Jedenfalls kamen wir uns so vor, denn die schwedische Tina mit ihrer Band performten Songs aus 247 Jahren „Grand Prix de la chanson d’Eurovision“-Geschichte… Wahnsinn! Wie auch immer. Dort angekommen - und nebenbei erwähnt flotte 13 Euro Eintritt gezahlt - zeigte HJ-Per uns dilettantischen Amateurbouncern mal, wo der Frosch die Locken hat. Aber wir stellten fest, dass es auch sonst Vorteile hat HJ-Per zu kennen. Er kennt nämlich auch die ein oder andere nette Schwedin. Toby und ich daraufhin versucht es Per gleich zu tun und gebalzt, dass alles zu spät war. So plätscherte der Abend dann allerdings recht ereignislos vor sich hin. Kurz vor Torschluss packte der DJ dann die einzigen drei HipHop Platten aus, die es in Schweden wohl zu kaufen gibt (darunter so Brecher wie KrisKros’ „Jump“, ihr könnt euch also vorstellen, wie armselig es war). Toby und ich also unseren inneren Usher nach außen gekehrt, und siehe da… da konnte sich doch echt eine für uns begeistern. Eine ganz ansehnliche sogar. Wir also nicht lang gefackelt, und erstmal… auf’s Klo gegangen. Absolut uncooler Abgang also, worauf ein noch viel uncoolerer Schwede unseren Platz einnahm und die Ische klarmachte. Dann lässt meine Erinnerung wieder etwas nach. Ich kann mich nur noch entsinnen, dass wir von einer Pippi zum Fischessen eingeladen wurden, womit wir natürlich vollkommen überfordert waren und es vorzogen bis zum nächsten mittag uns im Bett rumzurollen. Ach ja… Hatte ich schon erwähnt, wie repektvoll ich von meinen „Freunden“ immer behandelt werde? Als wir dieses Fest gerade verlassen wollten, um noch die letzte U-Bahn zu erwischen, stolperte ich noch über eine junge Dame. Eloquent und charmant wie ich bin konnte Sie dann sogar mit meinem Vortrag fesseln. Fragt mich nicht was ich Ihr erzählt habe, aber sie hing an meinen Lippen… na ja, zumindest metaphorisch. Ich war dann nur leicht irritiert, als von der Treppe, neben der ich stand, eine Jacke an mir vorbeisegelte. So viel gab meine Auffassungsgabe dann aber doch noch her, dass ich erkannte: Hoppla, dass ist ja meine! Jochen war über meine Flirtversuche so missmutig, dass er mir gepflegt, meine Jacke vor die Füße warf, um mir zu zeigen, was er von mir hält. Ich meine… gut, sie war ja schäbig wie die Nacht (…und lasst Euch sagen: Die ging gar nicht!), aber hätte man mir das nicht anders mitteilen können? Ich bin doch so sensibel. Egal. Jacke aufgehoben und gen Bus gestartet… Zwischenstop an nem Baum eingelegt und diesen mit meinem Mageninhalt gedüngt… Dann rein in den Bus und ab nach Hause. Tag zwei: Mission accomplished!
Tag 3 & 4
Die beiden letzten Tage erspare ich Euch hier, denn partytechnisch passierte nichts mehr. Wir gaben uns unserem inneren Touri-Schweinehund hin und sahen uns die Sehenswürdigkeiten Stockholms an. Nur Prinzessin Madeleine haben wir nicht gesehen. Wie auch immer. Wir bestiegen unter Anderem einen Fernsehturm, der auf schwedisch „Kaknästornet“ heißt. Dort oben wurde dann auch die Idee zu T-Shirts mit folgendem Aufdruck geboren: „I took a shit on Shit-Nose Tower!“ Ließe sich doch da bestimmt gewinnbringend verhökern. Wie Ihr vielleicht merkt: Die Tage waren geprägt von situationskomischen Wortwitzen, die hier eh keiner witzig finden würde. Darum beende ich hiermit meine Geschichte, von 3 Jungs, die es drauf anlegten Schweden zu erobern, aber von Schweden erobert wurden.
In diesem Sinne… Ich hoffe ich konnte Euch hiermit den Tag etwas versüßen. Auf jeden Fall möchte ich Euch Stockholm als Reiseziel unbedingt empfehlen, wenn Ihr Euch nicht scheut auch mal auf dicke Hose zu machen und Fuffies durch den Club zu schmeißen (Schwedische Kronen wohlgemerkt). Gute Reise.
– Euer Joachim
Wie sehr habe ich diesen Tag herbeigesehnt. Schon bei der Arbeit hatte ich Mühe meine Gedanken zu sortieren. Alles drehte sich nur um das Eine. Wie sie mich berühren würde, meinem Körper wieder Leben einhauchen. Wie sie mich liebkosen würde. Meine Lippen, meinen Hals. Über meine Brust würde sie in die tiefsten Regionen meines Körpers vordringen. Sie würde Besitz von mir ergreifen, meinen Verstand vernebeln. Doch nichts ersehnte ich mehr. Es war schon so lange her, dass ich sie zum letzten mal traf, doch als ich sie sah, wie sie so vor mir stand, da wusste ich erst wieder welch schöner Anblick mir verwehrt blieb. Ich schloss sie sofort in meine Arme und meine Lippen begannen zu zittern ob der Gewissheit des süßen Kontakts den sie gleich spüren würden. Sie wusste, wie sie mich kriegen würde, und sie gab sich unserem Austausch von Flüssigkeiten vollkommen hin. Ich saugte sie geradezu aus. Voller Leidenschaft konnte ich nicht von ihr ablassen bis schließlich auch der letzte Tropfen vergossen ward.
Dann aber wurde die romantische Stimmung jäh unterbrochen von einem Mann, der mir bis dato unbekannt war. Aber aufgrund der Kleidung und dem, was er sagte, schloss ich ihn sofort ins Herz. Er lief etwas hektisch an uns vorbei und fragte mich: “Darf’s noch ne Halbe sein?” Das war sie also: Meine erste Halbe schönen, kühlen Biers nach vier Wochen absoluter und knallharter vom Arzt auferlegter Askese… und es sollte nicht das einzige bleiben.
Ergebnis der heutigen Blutuntersuchung? Irrelevant! Ergebnis meines Denkprozesses? Bier trinken! So einfach kann Entscheidungsfindung sein. Die Welt wäre ein viel schönerer Ort, wenn wir alle Probleme so lösen könnten. Gut… viele probieren es, mit Alkohol ihre Probleme zu lösen. Nicht, dass ich zu dieser Sorte gehöre… Ich trinke nur (noch) in Gesellschaft, habe keine (schlimmen) Entzugserscheinungen festgestellt in den letzten Wochen und ich habe mich auch sonst nach dem Alkoholkonsum (meistens) im Griff. Um dies zu beweisen, werde ich nun die verträumte Jägermeisterflasche aus dem Kühlschrank nehmen, um einen Schluck daraus zu entfernen, und dann ins Bett gehen.
Ich Danke Euch für Eure Zeit und hoffe, dass Euch das eine Lehre sein wird. Alkohol verführt Euch und Ihr kommt nie wieder davon los. Oder kurz: Alkohol böse! In diesem Sinne: Don’t drink and drive.
– Euer Joachim