Hallo liebe Fangemeinde…
Das Praxissemester mehr oder minder erfolgreich hinter mich gebracht und zwei üppige Wochen frei… Grund genug endlich mal wieder einen Familienbesuch in Bremen zu tätigen. Der letzte ist ja - dank Praxissemester - auch schon wieder auf Weihnachten 2004 zurückzudatieren. Also mal wieder allerhöchste Eisenbahn. (Für all jene, die es bisher erfolgreich ignoriert haben: JA! Ich habe eine Abneigung gegen das Praxissemester an und für sich.) Mit den ganzen familiären Skandalen, Intrigen und dem restlichen Gedöhns verschon ich Euch an dieser Stelle einfach mal, denn sind wir mal ehrlich… es interessiert Euch nicht die Bohne.
Stattdessen berichte ich mal von einer der größten Errungenschaften des ausgehenden 20. Jahrhunderts: Dem offenen Kanal Bremen. Tummelplatz für verkannte Filmemachergenies und bei weitem unterschätzte Persönlichkeiten. Zu letzteren gehört auch mein neues Idol, der Retter Deutschlands… nein, nicht der mit dem Scheitel und dem Bärtchen. Seine Sendung hat den Titel “Herrman’s Hydepark”… Bzgl. Titelwahl schon Mal eins zu null für Herrman. Auch das Konzept ist unübertroffen. Simpel und zugleich Erleuchtung bringend. Herrman sitzt an seinem Schreibtisch hinter einem Schild auf dem in Großbuchstaben “HERRMAN’S HYDEPARK” steht und liest von Karten, die von Format und Farbe an Rückseiten von Zeichenblöcken erinnern, die Herrman in der örtlichen Grundschule geklaut hat, Weisheiten ab die er sich in seinen 127 Jahren Lebenserfahrung während des allmorgentlichen Stuhlgangs aus diversen Körperöffnungen gepresst hat. Aber bevor ich inhaltlich werde muss ich noch kurz auf die Erscheinung des guten Herrman eingehen. Wie schon angedeutet hat Herrman mindestens 264 Jahre auf dem Buckel, und er erinnert mich an irgendjemanden… jetzt hab ich’s! Wer in einer Gegend wohnt, die privilegiert genug ist eine Liste der MLPD wählen zu können, dem hat Herrman schon einmal von einem Plakat zugelächelt: Er nannte sich allerdings Karl Marx um inkognito zu bleiben. Wär das auch geklärt. Aber eines muss man dem guten Herrman lassen. Wenn wir die MLPD gewählt und ihn zum Kanzler gemacht hätten, wäre Deutschland pünktlich zu Weihnachten saniert! Unsere Schulden währen getilgt und wir könnten zusätzlich die komplete NATO durchfüttern… ja, Schorsch, auch die USA. Unsere Kinder würden endlich die Bildung bekommen, die sie verdienen. Es gäbe nur noch Eliteschulen, die allesamt von Vater Staat bezahlt würden, da ja quasi in jedem Kind ein kleines Genie schlummert, dass nur entsprechend gefördert werden muss. Und damit ihn auch der letzte Depp versteht, wird die offensichtlich einzige Folge, die von “Herrman’s Hydepark” aufgezeichnet wurde, jeden Tag zweimal gesendet. Und ich fordere: Herrman for Bundeskanzler!! Aber der Zug ist wohl abgefahren…
Apropos Zug… In eben so einem Sitze ich während ich diese Zeilen schreibe. Ja genau: Ich werfe der Deutschen Bahn AG meine sauer verdiente Kohle in den Rachen, dafür, dass mir gleich der Rechner nen Abgang macht, da die angepriesenen Steckdosen im Vis-à-vis-Bereich jedes Waggons (Zitat Deutsche Bahn) nicht funktionieren. Ganz großes Tennis! Nun ja, aber die Bahn war ja schon immer für Service am Kunden bekannt. Und was soll ich sagen? Ich bin gottfroh, dass ich in nächster Zeit nicht mehr in die Verlegenheit komme Bahn fahren zu müssen. Liegt es an den verzogenen Bälgern, derer ca. 12 in meinem Waggon sitzen und mich von allen Seiten belästigen? Ach was. Vielleicht ist es der Handyempfang, der auf 99 Prozent der Strecke gleich null ist. Egal, hab ich schon meine Ruhe. Bin ja immerhin auch in einer Ruhezone gelandet. Will heißen: Handybenutzung unerwünscht. Nur scheint das niemanden zu interessieren. Mir wird hier in unmenschlicher Lautstärke alles um die Ohren geblasen, was Jamba hergibt: Von “Für Elise” bis Kakadugeschrei und diversen Verdauungsgeräusche (…ich hoffe jetzt einfach mal, dass das Klingeltöne sind…). Einziger Lichtblick: Diese blonde Göttin, die von Kassel bis Würzburg den Platz an meiner Seite schmückte. Ein Gesicht… engelsgleich! Umrahmt von blonden Locken, wie sie Bon Jovi in den Achtzigern nie hinbekamen. ein süßer Knackarsch, in den man einfach nur reinbeißen möche, auf den sie sich leider draufsetzte und Augen, die tiefblauer waren als das Meer in einem türkischen Touri-Reservat. Ich, bekannt als alter Charmeur und Eloquenzwunder, also meinen ganzen Mut und Flirtfertigkeit in die Waagschale geworfen und… einfach mal schön die Fresse gehalten. In Würzburg stieg sie dann ja auch endlich auch aus, so dass ich ganz diskret mal meinen Schädel gegen das Klapptischchen vor mir schlagen konnte. Mal wieder souverän versagt. Aber sei’s drum. So hab ich wenigstens mehr Zeit diesen Eintrag zu verfassen. Da habt Ihr sowieso mehr von.
So… schade…mein Rechner sagt mir gerade, dass ich noch ca. 10 min habe, bevor der Akku Sabbat macht, und das Zugpersonal preist mir via Lautsprecher frisch gezapftes Warsteiner an. Ihr könnt euch denken, dass ich jetzt das Bord Bistro enter um Gebrauch von diesem Angebot zu machen. Wann hab ich schon mal die Gelegenheit, ein Bier für 4 Euro zu trinken. Das muss ich doch ausnutzen.
In diesem Sinne… Fahrt nicht mit der deutschen Bahn, wenn es sich vermeiden lässt oder nehmt wenigstens den Ratgeber “Wie mach ich in zwei Stunden ne absolute Wahnsinnsfrau klar” mit und denkt dran: Ein kleines Stück Herrman steckt auch in Euch. Also sucht Euch den nächsten offenen Kanal und lasst uns an Eurer Weisheit teilhaben. Ihr und vor Allem wir können nur gewinnen.
– Euer Joachim